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Massengrab Menden-Barge

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Anonymous

Guest
Weiß nicht ob hier im Forum schon erwähnt wurde. Ich habs zumindest noch nicht gefunden. Weiß auch nicht ob es in diese Rubrik gehört. Falls nicht, bitte ich um Entschuldigung und den Beitrag zu verschieben. Aber jetzt zu meinem gefundenen Bericht:

Sechs Jahrzehnte lang hat ein Dorf im Sauerland neben einem Massengrab aus der Nazi-Zeit gelebt und darüber geschwiegen. Jetzt, nachdem der Fall enthüllt wurde, kommen plötzlich die Erinnerungen wieder - womöglich zu spät, um alles wirklich aufzuklären.

Wenn der Bagger kommt und die ersten Knochen freilegt, "dann fangen die Leute hier endlich an zu reden". So hatte der kräftige Mann mit dem festen Händedruck kalkuliert. Es sieht aus, als würde er Recht behalten.

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Arbeiter am Massengrab in Menden-Barge: "Keiner wollte hier der erste sein, der den Mund aufmacht"


Arbeiter am Massengrab in Menden-Barge: "Keiner wollte hier der erste sein, der den Mund aufmacht"
Der Mann ist Hans-Bernd Besa-von Werden, 46, Dezernent bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Und wäre er nicht so ein hartnäckiger Mensch, dann würden auf dem katholischen Friedhof hinter der gelbgetünchten Pfarrkirche im sauerländischen Menden, Ortsteil Barge, höchstens ein paar Kinder nach Kastanien suchen. Doch nun haben dort Spezialisten in weißen Schutzanzügen ein Skelett nach dem anderen ausgegraben. Funde aus einem alten Massengrab. "Keiner hier wollte der erste sein, der den Mund aufmacht", sagt Besa-von Werden, "aber jetzt wird die Wahrheit Stück für Stück herauskommen."

Eineinhalb Wochen nach Beginn der vielleicht letzten großen Aufklärungsaktion von Nazi-Verbrechen in Deutschland sind die Überreste von 56 Menschen freigelegt, und die Suche soll weitergehen. Täglich pilgern Einheimische an die Grabungsstätte. Viele erzählen, was sie wissen, ahnen oder gehört haben. Es ist, als seien mit einem Mal Schleusen der Erinnerung geöffnet worden.

Auch der Bürgermeister wusste schon länger davon

Mehr als 60 Jahre lang hatten die Leute in dem 200-Einwohner-Dorf beharrlich geschwiegen: Zeitzeugen mieden die Öffentlichkeit, Dokumente in Archiven wurden nicht ausgewertet - aus Unbehagen, Scham oder weil sich keiner so recht zuständig fühlte.

Jetzt werden die Ermittler der Dortmunder Staatsanwaltschaft mit Aussagen und Materialien fast überschüttet. Täglich erhält Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß neue Puzzleteile, die später einmal ein Gesamtbild des Grauens ergeben werden.

Bisher scheint so viel klar: Mindestens 22 der gefundenen Kinder und zwei der Erwachsenen sollen Opfer des Nazi-Regimes sein. Sie sind verscharrt worden, oft nur 80 Zentimeter tief. Drei wiesen Anzeichen von Behinderungen auf. Der Verdacht der Ermittler: Die meisten der Kinder könnten im Rahmen des Euthanasie-Programms umgebracht worden sein. Bei weiteren Toten wird Hinweisen nachgegangen, dass es sich um Überschwemmungsopfer aus dem Jahr 1943 handeln könnte. Damals brachen im Sauerland nach alliierten Bombenangriffen Staudämme - eine Katastrophe, die das Nazi-Regime geheim halten wollte.

Rudolf Düppe (CDU), Bürgermeister von Menden, findet es "völlig schleierhaft", wieso erst jetzt Nachforschungen in Gang kommen. Dabei hätte auch er vielleicht mehr tun können. Vom Massengrab, gibt der 59-Jährige zu, habe er vor längerer Zeit erfahren. Das lässt sich kaum vermeiden - erinnert doch seit drei Jahren eine Gedenktafel an die "hier namenlos Bestatteten", aufgestellt auf Initiative des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der wenigstens die Gerüchtelage dokumentieren wollte.

"Zuerst viel Weihwasser sprengen"

Andere hätten vielleicht aus "diffusen Ängsten" geschwiegen, sagt Düppe. Er selbst habe sich schlicht "keine Gedanken gemacht", wer da liege: "Ich glaubte, die Kirche hätte das geklärt." Doch keiner der Pastoren, die in der katholischen Gemeinde tätig waren, mochte sich um die Gerüchte über ein Massengrab kümmern - und auch darum, wo die Leichen hergekommen sein sollen. Bis zu 200 Tote, heißt es in der nicht verifizierten Inschrift der Gedenkplatte, seien gegen Kriegsende aus dem nahe gelegenen Krankenhaus Wimbern herangekarrt worden.

Das Hospital wurde 1943 im Zuge der nach Adolf Hitlers Begleitarzt Karl Brandt benannten "Aktion Brandt" als sogenanntes Ausweichkrankenhaus zur Evakuierung von Patienten gebaut. Bei der "Aktion Brandt" sollen aber auch Kranke und Behinderte getötet worden sein - als verdecktes Euthanasie-Programm. Die Staatsanwaltschaft wertet nun Todesmitteilungen des Krankenhauses an das Standesamt aus. Sie sollen Stempel mit der Aufschrift "Aktion Brandt" tragen.

Den Bürgern im Ort war das Nazi-Krankenhaus offenbar höchst suspekt. In einem Buch der Steyler Missionsschwestern, die das Haus 1950 übernahmen, berichten Chronisten von dem Rat des damaligen Wimberner Bürgermeisters Josef Sartorius, beim Einzug "zuerst viel Weihwasser zu sprengen", um "alle Teufel von dort auszutreiben". Sohn Wolfgang Sartorius, 85, sagt heute: "Jeder im Ort hat geahnt, dass die Nazis im Krankenhaus Verbrechen verübt haben - mein Vater auch."

Ob noch alle Opfer und Täter zu ermitteln sind, ist ungewiss

Wer mehr erfahren wollte, stieß in Barge lange auf kollektives Schweigen. Besa-von Werden, der 2003 vom angeblichen Massengrab gehört hatte, entlockte einer Zeitzeugin Details. Als er die Aussage aufschreiben wollte, klagt er, "konnte sie sich plötzlich an nichts erinnern". Der Jurist ließ nicht locker. Und bestellte schließlich den Bagger. "Wenn ihr alle nichts sagt", will er intern gedroht haben, "grabe ich den ganzen Friedhof um."

Das scheint nun nicht mehr nötig. Mehrere Zeitzeugen, sagt Oberstaatsanwalt Maaß, hätten sich seit Beginn der Grabungen gemeldet. So erinnerte sich die ehrenamtliche Friedhofsverwalterin plötzlich an einen alten Plan und fand ihn prompt in den Unterlagen ihres Vorgängers. "Kindergräber der Sonderanlage" waren auf der undatierten Papierrolle verzeichnet. Genau an der Stelle, wo jetzt die Überreste gefunden wurden. Heinz Österberg, 73, der gegen Kriegsende Messdiener in Barge war, berichtete, dass Tote aus dem Krankenhaus hergebracht und ohne Priester in Großgräbern bestattet worden seien.

Ob nach 60 Jahren noch alle Opfer und vor allem die Täter ermittelt werden können, ist mehr als ungewiss. Aber zumindest eines wollen Stadt und Kirche nun erreichen, kündigt Bürgermeister Düppe an: "Wir werden die Koalition des Schweigens durchbrechen."
(Quelle: Spiegel-online)
 
Sehr intressante Geschichte,
danke dafür...aber was alles die Reporter so schreiben,möchte ich hier einwandfrei bezweifeln.
Wir werden sehen.
mfg Andreas /Ende 1945
 
Wollt grade meinen Senf dazu ablassen.
Aber wie der Focus schon schreibt.
Nicht alle Toten zwischen 33 - 45 haben die
Nazis auf dem Gewissen. Es wär zu einfach.
Wär natürlich wieder ne schöne Sensation
das im 100 Seelen Dorf, Dr. Mengele seine
Satanischen Versuche durch geführt hat.
Aber wie so oft in letzter Zeit wird immer
zu früh Naziterror gebrüllt. Und nach dem
dann die Wahrheit ans Licht kommt, wird
geschwiegen, keine Richtigstellung von der
Grösse der Sensationsmeldung. Damit das
Gerücht ruhig bestehen bleibt und alle
meinen dort lägen NS Opfer, ob das richtig
ist, ist ja egal. Die Nazis haben genung umgelegt
und um die Auflage der Zeitung zu steigern
kommt es auf 30 -40 Mehr auch nicht an.
 
davon hörte ich mal was von Freund aus Schmallenberg.Aber schön zu lesen was war , Net das ich sowas schöne finde...
 
Hat sich was getan?
zeitungstechnisch? Oder Radiomäßig?
Wär mal Intressant ..
Gruß Andreas /Ende 1945
 
Wie immer ein Schuss in den Ofen. Nix mit Nazi Mord Opfern.
Erst gross Tarrrraaaa machen und dann kanz leise, die Wahrheit
sagen.
Westfalenpost 20.02.2007

"Keine Anhaltspunkte für Euthanasie"

20.02.2007 / LOKALAUSGABE / WERL

Wimbern/Barge. 30 Leitz-Ordner sind es, die bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für NS-Verbrechen Zeugnis ablegen über die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges im Ausweichkrankenhaus Wimbern und die Bestattungssituation auf dem Friedhof Barge. "Anhaltspunkte für Euthanasie haben sich nicht ergeben", sagte gestern Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß.

Sämtliche Leichenteile, die dem Massengrab auf dem Friedhof Barge in den vergangenen Monaten entnommen und in der Gerichtsmedizin in Düsseldorf untersucht wurden, befinden sich wieder in Barge. In den zum Transport bestimmten kleinen Pappsärgen werden sie bis zur für den 24. März geplanten großen Bestattungsfeier in Barge aufbewahrt. Wenige Tage zuvor werden Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Bezirksregierung über ihre Ermittlungsergebnisse berichten.

Den 46 Kindergebeinen in dem großen Gräberfeld konnten allesamt Namen zugeordnet werden. Damit erreichten die Ermittler eines ihrer großen Ziele. Und auch das Puzzle um die Geschehnisse in den letzten Kriegsmonaten fügt sich nach Aussage von Oberstaatsanwalt Maaß nunmehr zusammen. "Wir sind wirklich allen kritischen Fragen nachgegangen", betonte Ulrich Maaß. "Es haben sich keine Anhaltspunkte für Euthanasie-Verbrechen ergeben. Auch wenn letzte Sicherheit nicht zu gewinnen ist, stellt sich für uns die Frage: Gab es überhaupt zu wertendes Unrecht?" Das scheine nicht der Fall zu sein. Auch die Spur zu einem Ofen, in dem Leichen verbrannt worden seien, sei im Sande verlaufen.

Es habe Anhaltspunkte für NS-Verbrechen gegeben, etwa das Auffinden von Gebeinen mongoloider Kinder oder eine direkt aus Berlin bezahlte Ärzte- und Pflegerschaft. Die Recherchen hätten aber keinerlei Rückschlüsse auf Verbrechen im Krankenhaus Wimbern gegeben. "Es sind dort tatsächlich Kinder an den Folgen des Krieges verstorben, weil sie schon schwer verletzt eingewiesen wurden", erklärte Ulrich Maaß im Gespräch mit den WP.

Man habe sogar mit Eltern gesprochen, die an Bestattungsfeiern in Barge teilgenommen hätten. "Die Bestattungen damals waren offensichtlich aus der Not der Zeit geboren", so Oberstaatsanwalt Maaß. "Und der Friedhof in Barge war der nächstgelegene in der Gemeinde wurde davon regelrecht überfahren."

Die Angehörigen der im Barger Massengrab begrabenen Menschen wollen wohl zum überwiegenden Teil, dass die Gebeine wieder auf dem dortigen Friedhof bestattet werden. Die Gräber werden den Status einer Kriegsgräberstätte erhalten. "Es handelt sich also um Ewigkeitsgräber", betonte Oberstaatsanwalt Maaß.

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Klasse Chris,
danke für den Beitrag...
hoffe die linksverdreher lesen dies auch so...
mfg Andreas /Ende 1945
 
Hi wie groß dürfen Dateien sein um sie hier hochladen zu können ?
Ich habe zu diesem Thema eine Doku aus dem Fernseh aufgenommen,und diese hat um die 350 mb.
Sie ist aber sehr sehr informativ.
 
Upps- Habe diesen Thread erst jetzt gesehen. Ich hatte das Thema in den Zeitungen verfolgt.
Eigentlich war schon recht schnell während der Grabungen klar, das da wohl nichts mehr gefunden wird, der Boden war wohl ungestört. Klar war, daß durch "Zeitzeugenaussagen" die Beweise (Leichen) für Greueltaten da gefunden werden sollten. Als sich herausstellte, daß es diese Greueltaten gar nicht gegeben hatte und die Zeitzeugen dummes Zeug geredet hatten, oder sich wichtig machen wollten, schrieb dann tatsächlich jemand: "Dann wurden sie wohl woanders verscharrt".
Bei allen Göttern: Wie blöde und verbohrt.
 
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