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Kaserne im Duisburger Norden? Teil 1

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Kaserne im Duisburger Norden? Teil 1

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 06.05.2019, 14:27

Heute möchte ich Euch mit einem Duisburger Mysterium bekannt machen: einer Kaserne die anscheinend niemand kennt... oder kennen will. Ich poste es extra hier im Premiumbereich weil ich mir hier eine ernsthaftere und sachbezogenere Diskussion erhoffe. Wegen der Länge des beirags habe ich das ganze mal gedrittelt grins

Vorab etwas zur Historie:
Nach offiziellen Angaben wurde im Jahre 1937 mit dem Bau der Luftwaffenkaserne in Duisburg Wanheim auf dem Gelände des alten Neuenhofs begonnen, mit der Ferigstellung und Einweihung 1938 wurde Duisburg das erste Mal in seiner Geschichte Garnisionstadt.
Im Archiv der Stadt Duisburg sind √ľber diese Kaserne viele Unterlagen betreffs Planung, Grundst√ľckskauf, Bau und Betrieb inkl. Bilder vorhanden. Einziger offener Punkt in diesen Unterlagen ist der Name der Kaserne der nirgendwo Erw√§hnung findet.
Von der Bev√∂lkerung aufgrund ihrer Bestimmung meist nur Flakkaserne genannt stehen auch Aussagen von Luftwaffenangeh√∂rigen im Raum die von der "General- Wever- Kaserne" sprachen. Dies w√ľrde sich auch damit decken da√ü die heutige Neuenhofstra√üe fr√ľher General- Wever- Stra√üe hie√ü. Zudem war es damals durchaus √ľblich Kasernen nach historischen Pers√∂nlichkeiten / Helden der deutschen Geschichte zu benennen. Oder auch nach Personen der damaligen Regierung oder deren Organisationen.
Ansonsten ist die Geschichte bekannt. Luftwaffenkaserne f√ľr die II. Abt. des Flakregiments 54, im Krieg teilweise zerbomt, nach dem Kriege ab 1948 wieder aufgebaut und bis 1993 britische Besatzerkaserne mit dem Namen Glamorgan Barracks. Dann Leerstand, Asylantenunterkunft und letztendlich Abriss gegen den Widerstand von Denkmalsch√ľtzern. Wie schon immer seit Ende des Krieges bestand leider auch hier die Duisburger Bebauungspolitik aus der Abrissbirne. Von der ehemaligen Kaserne zeugen heute nur noch das Offizierskasino (Haus der deutschen Unternehmer) und Reste der Umfassungsmauer.
Nicht ganz richtig... einige von den Briten nie genutzte Teile stehen noch. So 2 Offizierswohnh√§user an der Kaiserswertherstra√üe kurz vor dem Verteilerkreis sowie das Fahrzeugareal an der Stern- Ecke Wedauerstra√üe. Das Geb√§ude der damaligen √∂rtlichen Bauleitung der Luftwaffe wurde erst vor ca. 2 Jahren abgerissen, inklusive des dazugeh√∂rigen Bunkers mit den Westwallt√ľren.

Soviel zur Einf√ľhrung. Und auch nur deswegen weil immer von der Flakkaserne in Wanheim die Rede ist wenn es um Duisburg und Kaserne geht. Weil eben immer nur von einer Kaserne in Duisburg die Rede ist und weil es eben nur √ľber diese eine Kaserne im Stadtarchiv Unterlagen gibt. Mit keinem Wort findet sich irgendwo ein Hinweis auf eine zweite Kaserne im Duisburger Stadtgebiet. Aber was w√§re wenn es sie trotzdem gegeben hat / h√§tte?

Im Anhang mal zwei Bilder der Luftwaffenkaserne aus dem Jahre 1938. Einmal der Haupteingang, und dann die Steintafel im Giebel des Kommandogebäudes. Dieses wurde von den Briten entnazifiziert indem sie einfach mittig ein Fenster im Giebel ausbrachen.

Soweit Teil 1... in Teil 2 geht es dann um besagte 2. Kaserne.
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Kaserne im Duisburger Norden? Teil 2

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 06.05.2019, 14:47

Das erste Mal von einer zweiten Kaserne h√∂rte ich Mitte der 80er- Jahre als sich meine Freizeitaktivit√§ten auch auf den Duisburger Norden erstreckten. Bis dato war ich ein reines S√ľdlicht und der Norden f√ľr mich ein wei√üer Fleck auf der Landkarte. Durch einen arbeitsbedingtem Wechsel nach Ruhrort begann ich dann aber auch hier die Gegend zu erkunden und h√∂rte eines Tages von einer Kaserne die es im Bereich des Hagenshofs in Neum√ľhl gegeben haben soll. Nach einem Besuch des damaligen Massa (heute Mercator- Center) bot sich eine kleine Erkundung der Umgebung an... was soll ich sagen? Da war nichts! Das Thema wurde also erst mal wieder ad acta gelegt als Thekengeschw√§tz.

Neu ans Licht hervorgeholt wurde das Thema durch den Zufallsfund eines Kollegen im Stadtarchiv. Unter vielen Duisburger Luftbildern waren auch mehrere alliierte Aufkl√§rungsbilder von einem Areal welches eindeutig milit√§rische Strukturen aufwies und sich in Ausdehnungsgr√∂√üe nicht hinter der Wanheimer Kaserne zu verstecken brauchte. Mit dem Hinweis auf Neum√ľhl war der Standort relativ schnell festzulegen: Ecke Neum√ľhlerstra√üe / Essen- Steeler- Stra√üe. Also tats√§chlich Bereich Hagenshof aber eben weiter westlich. Anbei mal eines der Lubis auf dem ich das betreffende Areal mit einer gelben Strichlinie markiert habe. Zus√§tzlich noch die Stra√üennamen heute bzw. 1940. Weitere Anhaltspunkte sind die Moriansm√ľhle, seinerzeit Vereinshaus des Stahlhelmbundes und heute Ruine, der Ingenhammshof (heute AWO) sowie erste Geb√§udestrukturen des Fliednerwerkes oberhalb des Areals.

Etwas mehr Detail sind auf dem zweiten Lubi zu sehen. Auf der West- und S√ľdseite des Gel√§ndes ziehen sich l√§ngst der Stra√üen wellenartige Strukturen welche man als Sch√ľtzengr√§ben deuten k√∂nnte. √Ąhnlich Strukturen findet man auch auf der n√∂rdlichen Seite. Die auf Anhieb erkennbaren Geb√§ude habe ich mal mit den Nummern von 1 bis 20 gekennzeichnet, einige sind anscheinend von Bombentreffern zerst√∂rt. Insgesamt machen die Geb√§ude einen stabilen Eindruck, sprich sie scheinen gemauert und wirken nicht wie irgendwelche Barracken oder Provisorien. Und dann sollte es bei der sprichw√∂rtlichen deutschen Gr√ľndlichkeit doch f√ľr f√ľr solche Geb√§ude auch irgendwelche Unterlagen geben, oder?

L√§ngst der Hagenallee ziehen sich lange Geb√§ude (Garagen?) mit einem anscheinend gro√üen Vorplatz dahin. Dahinter dann Geb√§ude (9 - 20) die ich als Unterkunftsgeb√§ude deuten w√ľrde. Mittig des Gel√§ndes ein gro√üer Exerxierplatz (?) und dahinter dann im Norden die Kommandanturgeb√§ude. Das Bild im Anhang mit den LKW soll bei Nr. 7 entstanden sein und ist das einzige was ich von dem Gel√§nde kenne. Falls es denn tats√§chlich davon stammen sollte.

Im Osten des Gel√§ndes und mittig habe ich einige Stellen mit roten Kreisen gekennzeichnet welche ich f√ľr Gesch√ľtzstellungen halte. Gelb markiert auf der gro√üen Freifl√§che eventuelle Eing√§nge zu Munitionsbunkern? Oder auch Stellungen?
Die Wege und Straßen innerhalb des Geländes sind anscheinend gut ausgebaut, allerdings erkenne ich wegetechnisch keinen eindeutigen Eingangsbereich. Eventuell zwischen den beiden abgewinkelten Gebäuden?

Die PDF- datei zeigt einen Ausschnitt aus einer Stadtkarte des britischen Waroffice aus dem Jahre 1944. Unten rechts erkennt man das Gel√§nde mit der Bezeichnung Barracks was f√ľr Kaserne steht. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Erkl√§rung der Farben: graue Geb√§ude bedeuten entweder normale H√§user oder im Bau befindliche Geb√§ude. Au√üerdem sind die auf den Lubis erkennbaren Geb√§udesch√§den dort als graue Umrandung mit wei√üem Innenraum eingezeichnet. Kann es sein da√ü es sich nicht wie vermutet um von Bomben zerst√∂rte Geb√§ude handelt sondern um Rohbauten die bis Kriegsende nicht fertig gestellt wurden?

Bin schon gespannt auf Eure Analysen und Bemerkungen zu der Anlage.

Teil 3 folgt
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Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 06.05.2019, 14:57

Und nun der 3. und letzte Teil...

Nachfolgend mal eine Reihe von Lubis des Areals die man in luftbilder.geoportal.ruhr finden kann.

Das erste ist von 1934 und man erkennt... nichts. Nur Felder, alles bäuerlich friedlich.
1944 das Bild aus Teil 2
1952 erkennt man im √∂stlichen Teil wo 1944 die Gesch√ľtzstellungen waren eine Unzahl milit√§risch angeordneter Barracken. Oder sind es Notunterk√ľnfte f√ľr Ausgebombte? Die Geb√§ude 2, 3, 8, 9, 14 und 19 sind anscheinend abgerissen, 4 und 5 sind noch zerst√∂rt.
1963 ist oberhalb der Gebäude 5 -7 eine neue Bebauung entstanden.
1969 hat sich nicht allzu viel ver√§ndert, die Aufschrift Teerverwertung l√§√üt darauf schlie√üen da√ü die R√ľttgerswerke das Gel√§nde gemietet haben. Rechts am Kanal ist der Massa- Markt entstanden. Erste Bebauung des Gel√§ndes durch das Hagenshof- Projekt.
1990 ist dann die komplette Bebauung verschwunden, inklusive der Barracken im √∂stl. Teil. Das Wohnprojekt Hagenshof ist fertig. Zu ungef√§hr diesem Zeitpunkt erfolgte mein erster erfolgsloser Besuch. An der Ecke zur Neum√ľhlerstra√üe steht schon das Hallenbad.
1998... naja, war da mal was?

Eigentlich sollten die 3 Beiträge im gleichen Thread hintereinander erscheinen aber das System hatte irgendetwas dagegen ratlos- Vielleicht kann ein Mod die ja mal zusammenlegen winke-

Die Situation heute ist da√ü von allem nichts mehr zu erkennen ist. Was bleibt sind Fragen √ľber Fragen. War es wirklich eine Kaserne? Wenn ja, was f√ľr eine? Auch Luftwaffe? Flakkaserne f√ľr die Industriebetriebe des Duisburger Nordens? Oder war es etwas anderes? Arbeitsdienst vielleicht? Die KZ- Au√üenstelle Ratingsee war ja auch nicht weit weg. Wann gebaut? Nachnutzung?

Vielleicht gibt es unter den Duisburgern hier ja einige deren Vorfahren Bilder der Anlage haben.
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon Funker » 06.05.2019, 19:38

Habe noch nicht direkt das gefunden was du suchst, aber ich denke du bist da was auf der Spur....

Auf deinem Luftbild 1934 ist Haus Hagen zu erkennen, ein Landgut auf den Grundmauern einer alten Burg.
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Hagen_(Duisburg)

Der Stadtplan 1936 zeigt es ebenfalls:

Neum√ľhl_1936.jpg

Der Stadtplan 1940 zeigt an dieser Stelle.... nichts !
Das Haus Hagen ist verschwunden, ebenso die ehemalige Zeche etwas östlich.
Stadtpl√§ne aus diesem Jahr sind meistens sehr stark "ges√§ubert", man w√ľrde meinen, es gab pl√∂tzlich keine Industrie und keine Kasernen mehr...

Neum√ľhl_1940.jpg

Die DGK aus dem Jahr 1944-45 (mit Korrekturen der allierten Besatzer) zeigt eine halbfertige Kaserne wie auf deinen Luftbildern:

Neum√ľhl_1945.jpg

Der Stadtplan 1951 und 1955 mit den damaligen Straßennamen, die helfen vielleicht bei weiteren Recherchen:

Neum√ľhl_1951.jpg

Neum√ľhl_1955.jpg

Quelle: http://geoportal.duisburg.de/mapapps/resources/apps/Historisches_Portal/index.html?lang=de
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon Funker » 06.05.2019, 19:53

Die besten Berichte aus der britischen Besatzungszeit findet man meistens unter dem Stichwort "BAOR"
Hier zur gesuchten Kaserne:

http://www.baor-locations.org/glamorganbks.aspx.html

An verschiedenen Stellen tauchen immer wieder Bemerkungen zur Vorgeschichte auf:
"The barracks was built by the Luftwaffe as the ‚Äėbase‚Äô for the Ruhr‚Äôs anti-aircraft gun defences for the Duisburg area and had extensive cellars under every building for ammunition storage and as air raid shelters. Its Officers Mess had, like all ex Luftwaffe camps, an excellent dining room complete with ‚Äėminstrels gallery‚Äô where a small band played music during formal dining nights."
"...garages for 88mm guns and their Sdkfz7 tractors"

Hier noch was zum ehemaligen Offizierskasino:
https://www.waz.de/staedte/duisburg/dui ... 28685.html
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon Funker » 06.05.2019, 22:31

Bingo !
Die Straßennamen von 1951, die im Stadtplan erkennbar sind, lieferten einen Treffer:

DP_Camp_Obermeiderich.jpg
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon Funker » 06.05.2019, 23:07

Wenn das DP-Lager zuvor als Zwangsarbeiter-Lager diente (das w√§re nicht ungew√∂hnlich), w√§re mein erster Tipp die Gesellschaft f√ľr Teerverwertung.
http://archiv.labournet.de/diskussion/g ... nliste.htm

Allerdings ist zwischen dem Luftbild 1944 mit Bombenkratern (ohne Lagerbaracken), und dem Kriegsende nicht viel Zeit.
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 07.05.2019, 14:10

Funker hat geschrieben:Die besten Berichte aus der britischen Besatzungszeit findet man meistens unter dem Stichwort "BAOR"
Hier zur gesuchten Kaserne:

http://www.baor-locations.org/glamorganbks.aspx.html

An verschiedenen Stellen tauchen immer wieder Bemerkungen zur Vorgeschichte auf:
"The barracks was built by the Luftwaffe as the ‚Äėbase‚Äô for the Ruhr‚Äôs anti-aircraft gun defences for the Duisburg area and had extensive cellars under every building for ammunition storage and as air raid shelters. Its Officers Mess had, like all ex Luftwaffe camps, an excellent dining room complete with ‚Äėminstrels gallery‚Äô where a small band played music during formal dining nights."
"...garages for 88mm guns and their Sdkfz7 tractors"

Hier noch was zum ehemaligen Offizierskasino:
https://www.waz.de/staedte/duisburg/dui ... 28685.html


Das ist die allseits bekannte Luftwaffenkaserne im Duisburger S√ľden aus Teil 1. Die erw√§hnten Garagen f√ľr die 8,8 und die Sdkfz 7 stehen noch an der Ecke Stern- Wedauerstrasse und waren nie Teil der Glamorgan Barracks. Unter anderem war oder ist da der THW drin.
Unter den Geb√§uden waren wie erw√§hnt Munitionsr√§ume... nicht erw√§hnt wird aber dass alle Geb√§ude auch eine ziemlich dicke nach damaligen Verh√§ltnissen zu Kriegsbeginn wohl bombensichere Betondecke hatten. Deswegen hat es da zwar die Dachst√ľhle zerlegt, weniger aber die R√§ume darunter besch√§digt. Beim Abbruch fuhren da oben kleine Bagger mit Mei√üel rum um die zu zerlegen. Aus der Erinnerung w√ľrde ich sagen die Decke war so 60 - 80cm dick. Zumindestens war dies definitiv bei Block 7 der Fall in welchem sich auch die komplette Heizungsanlage der Kaserne befand. Die Briten scheinen da so eine Art Fernw√§rmeanlage installiert zu haben. Deshalb wohl auch der riesige Kamin auf dem Geb√§ude. Nach Aussage britischer Soldaten war Block 7 das mit Abstand w√§rmste Geb√§ude des Standortes grins
Die Tommies haben die Gebäude ohne Dachstuhl einfach mit Teerpappe beklebt und fertig (z.B. an der Kaiserswerther Straße). Ein paar Glasscheiben erneuert und neue Tapeten... fertig grins grins
Zuletzt geändert von xfekbm am 07.05.2019, 14:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 07.05.2019, 14:18

Funker hat geschrieben:Wenn das DP-Lager zuvor als Zwangsarbeiter-Lager diente (das w√§re nicht ungew√∂hnlich), w√§re mein erster Tipp die Gesellschaft f√ľr Teerverwertung.
http://archiv.labournet.de/diskussion/g ... nliste.htm

Allerdings ist zwischen dem Luftbild 1944 mit Bombenkratern (ohne Lagerbaracken), und dem Kriegsende nicht viel Zeit.


Also sind die nach dem Krieg entstandenen Baracken im Osten ein Lager f√ľr diplaced persons, also wahrscheinlich ehemalige Zwangsarbeiter. Die Barracken scheinen ja extra f√ľr die DP¬īs gebaut worden zu sein. An diesem Standort glaube ich ja wie in Teil 2 geschrieben 1944 Gesch√ľtzstellungen zu erkennen. Das w√ľrde meiner Meinung nach eher weniger zu einem Zwangsarbeiterlager passen. Die durften ja noch nicht mal in Bunker, warum dann extra mit Flak sch√ľtzen?
Und der Rest, also die eigentliche Kaserne bis 1945? Oder doch keine Kaserne? Sind das mittig im Gelände (gelb markiert) Zugänge zu Mun- Bunkern? Und diese Wellenlinien längst der Straßen?
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 3

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 07.05.2019, 14:52

Funker hat geschrieben:Habe noch nicht direkt das gefunden was du suchst, aber ich denke du bist da was auf der Spur....

Auf deinem Luftbild 1934 ist Haus Hagen zu erkennen, ein Landgut auf den Grundmauern einer alten Burg.

Der Stadtplan 1936 zeigt es ebenfalls:

Der Stadtplan 1940 zeigt an dieser Stelle.... nichts !
Das Haus Hagen ist verschwunden, ebenso die ehemalige Zeche etwas östlich.
Stadtpl√§ne aus diesem Jahr sind meistens sehr stark "ges√§ubert", man w√ľrde meinen, es gab pl√∂tzlich keine Industrie und keine Kasernen mehr...

Die DGK aus dem Jahr 1944-45 (mit Korrekturen der allierten Besatzer) zeigt eine halbfertige Kaserne wie auf deinen Luftbildern:


Wikipedia zu Haus Hagen: 1937 ging es an das Deutsche Reich (Reichsfiskus), da im Rahmen der auf den Zweiten Weltkrieg ausgerichteten Verteidigungsmaßnahmen auf dem Gelände um Haus Hagen Flakstellungen errichtet werden sollten. Die Arbeiten begannen im August 1937. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde Haus Hagen am 14. Juni 1939 abgerissen.

Also doch Kaserne???
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 1

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 09.05.2019, 18:44

Ich gebe meinen Senf mal dazu.
Ich kenne das Gel√§nde seit 1987, ich arbeite n√§mlich gegen√ľber des bebaumten M√ľllh√ľgels hinter dem Schwimmbad.
Auf dem ehemaligen Brach-Gel√§nde hinter dem heutigen Einkaufcenter, damals waren dort noch H√ľgel und Betonreste, sind wir Mercedes G probegefahren, wenn der Antrieb √ľberpr√ľft werden mu√üte.
"Am Zuschlag" war die Kneipe "Robin Hood" in einem Fachwerkstallgebäude. Heute ist dort ein "Wasbestepreis?" Autoverkäufer, daneben eine recht gute Pizzeria.
Das urspr√ľngliche Haus Hagen war ein Rittergut gewesen, ein befestigtes Haus, und war in den 20/30ern bereits stark bauf√§llig.
Nachdem, was ich dar√ľber gelesen hatte, kam das Haus f√ľr die Flakstellungen weg- und die w√§ren f√ľr den Schutz der Zeche gewesen.
In der Verlängerung der Essen-Steeler-Straße, wo der heutige Spielplatz ist, war eine Ziegellei.
Ich hatte die Gebäude auf den Lubis und Karten immer der Zeche zugeordnet.
Ein Kollege kannte das Gel√§nde mit dem bebaumten H√ľgel schon vor dem Umzug unseres Betriebes von Duissern nach Neum√ľhl und erz√§hlte Mal der H√ľgel w√§re aus Schutt und M√ľll aufget√ľrmt und dann √ľbererdet worden.

Ehrlich gesagt, kommt mir der Grundriss der Geb√§ude dort nicht so wirklich milit√§risch vor. Normalerweise liegen die Kompaniegeb√§ude gestaffelt mit den L√§ngsseiten parallel- von der Stra√üe mit dem Haupttor und der Wache weg. An der Achse, die durch das Haupttor f√ľhrt, richtet sich die Kaserne aus.
Das hat praktische Gr√ľnde. Man kann einen Konvoi dort oder auf dem Explatz zusammenstellen und ihn komplett √ľbersehen und in Marsch setzen.
Das Stabsgeb√§ude dagegen steht im 90¬į Winkel zu den Kompaniegeb√§uden, Front also zum Hauptweg der Kaserne, um vor diesem Geb√§ude einen gr√∂√üeren Platz zu haben. Meist oder h√§ufig zwischen der 1. und 2. Kompanie.
Dahinter oder parallel dazu liegen normalerweise Kantine mit Offz- und Uffz- und Mannheim, Heizwerk und schließlich der T-Bereich. Zwischen T-Bereich und Rest dann meist der Explatz- von allen Kompanien gut zu erreichen.
Dort jedoch stehen zwei lange höhere und ein langes flacheres Gebäude mit vielen kleinen niedrigen Nebengebäuden umringt. Wozu sollten die sein?
Die nächsten großen Gebäude, ein höheres und ein flacheres, sehe ich erst wieder nördlich wo auf dem ca.52er Lubi die Fahrzeuge nebeneinander aufgereiht sind. Scheinen fast alle LKWs zu sein.
Sollte dann dort das Stabsgebäude sein? Wäre viel zu weit von den Kompanien entfernt.
Auf den Lubis sehe ich eigentlich viel zu viele kleine und kleinste Gebäude und Strukturen. Auch ist kein betonierter oder gepflasterter Ex-Platz zu erkennen.
Auch einen Hauptweg, der zur n√§chsten gro√üen Stra√üe (Neum√ľhler oder E-Steeler St.) f√ľhrt und an dem sich die Kaserne ausrichtet, ist nicht zu erkennen.

Ich w√ľrde das Gel√§nde eher als Industriekomplex mit angegliedertem Fremd/Zwangs/Arbeitslager deuten.
Oder letzteres sind Baracken f√ľr Fl√ľchtlinge, die erst nach Kriegsende gebaut wurden. Dieser Teil des Areals sieht deutlich "aufger√§umter" und benutzter (wei√üe Bodenfarbe um die Baracken) aus als das restliche Areal.
Bunker- eine bombensichere Sache!
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 1

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 10.05.2019, 18:54

@PGR 156, danke f√ľr Dein Statement prostt-

Wie ich schon schrieb waren es Erzählungen die mich auf eine Kaserne tippen lassen. Dazu kam dann auch die Aufschrift Barracks auf der Karte des Waroffice von 1944 die auf Luftaufnahmen und Geheimdienstinformationen beruht. Und die Briten hatten einen guten Geheimdienst. Und alles was mich an dem Gelände interessiert mache ich definitiv nur am Zustand von 1944 fest. Nach dem Krieg kann es ja dann alles gewesen sein.

Flakstellung f√ľr den Zechenschutz denke ich nicht. Der in der N√§he liegende Schacht 6 der Zeche Neum√ľhl war immer nur ein reiner Wetterschacht, die eigentliche Zeche 1/2 ist noch eine ganze Ecke weg. Wenn Industrieschutz dann eher f√ľr die Bakelitwerke/R√ľttgers/Teerverwertung die in der N√§he liegt. Oder weil sich dort eine Einflugschneise der Bomber befand?

Zwangsarbeiterlager? Ich denke die w√§ren barrackenm√§√üig eher so aufgebaut gewesen wie die ab 1952 erkennbare DP- Siedlung am Ostrand des Gel√§ndes. Und ich denke es w√§ren Holzbauten gewesen, die Geb√§ude auf dem Gel√§nde machen aber eher den Eindruck von Steinbauten. Zu viel Aufwand f√ľr Zwangsarbeiter...

Industrieanlage? Ohne Schornsteine? Wof√ľr der Riesenplatz in der Mitte? Ich bestehe ja nicht auf einem Exerzierplatz wobei da eher an ein √úbungsgel√§nde f√ľr Flakartillerie dachte. Und dieser w√§re der Untergrund ja relativ egal :D Und diese Marken die ich gelb eingekreist habe k√∂nnten dann tats√§chlich Eing√§nge zu Munbunkern sein?

Die ellenlangen Geb√§ude l√§ngst der Hagesallee habe ich mal einfach als Garagen bezeichnet, der Vorplatz macht durchaus den Eindruck einer Betonfl√§che. Die abgewinkelten Geb√§ude dahinter habe ich mal als Mannschaftsunterk√ľnfte gedeutet. Eine besssere Idee? Als Industrieanlage kommt mir das √ľberhaupt nicht vor.
Garagen f√ľr die Flakgesch√ľtze und die Zugmaschinen wie sie auch die Flakkaserne in Wanheim hatte. Auch dort fand ich es etwas seltsam warum man diese ca. 2km von der eigentlichen Kaserne weg errichtet hatte. Hat dies nur etwas mit dem Schutz vor Bombern zu tun, als vorbeugende Planung schon zu Friedenszeiten? Ich glaube eher nicht immerhin war man ja laut dem dicken Meier √ľberzeugt in einem eventuellen Krieg die Lufthoheit zu haben.Oder hatte man einfach nur Spa√ü am langen Marschieren dahin? grins
Ich schweife schon wieder ab... blabla-

Vielleicht sind die zerbombten Geb√§ude ja in Wirklichkeit Rohbauten? Vielleicht erkennen wir auf den Lubis ja nur einen Teil eines geplanten Ausbauzustandes? Wann war Baubeginn? Wer wei√ü wie gro√ü das h√§tte werden k√∂nnen? Ganz sch√∂n viele "vielleicht" und Fragen, oder? Grade deswege w√§re es ja interessant wenn Bilder existieren w√ľrden die mal die Geb√§ude zeigen um daraus dann R√ľckschl√ľsse auf ihre Verwendung ziehen zu k√∂nnen.

Ich bin f√ľr alles offen, von Kaserne √ľber Industrieanlage bis hin zum Zwangsarbeiterlager. Hauptsache irgendjemand l√∂st mal dieses R√§tsel.
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 1

Ungelesener Beitragvon Funker » 10.05.2019, 22:42

Danke an PGR f√ľr die Ausf√ľhrungen zum Thema "wie erkenne ich eine Kaserne", wirklich sehr lehrreich!!!

Mir ist da noch was aufgefallen. Der gro√üe Geb√§udekomplex in der s√ľdlichen H√§lfte, erinnert vom Grundriss her ganz leicht an die Hauptverwaltung der IG Farben... ein langes Geb√§ude mit "Fingern". K√∂nnte die Gesellschaft f√ľr Teerverwertung kurz vor Kriegsbeginn gr√∂√üenwahnsinig geworden sein, um sich sowas als Verwaltungsbau hinzustellen?

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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 1

Ungelesener Beitragvon comander99 » 12.05.2019, 14:44

Moin Moin
Ich bin seit ein paar Tagen in Duisburg Lkw Fahrer f√ľr die wirtschafsbetriebe am ausbilden.
Mir ist dabei aufgefallen das es eine Straße zur alten Kaserne gibt, ich Weiß allerdings nicht welche da wann gestanden hat.
Sollte es nicht zu dem Thema hier passen einfach löschen.
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Re: Kaserne im Duisburger Norden? Teil 1

Ungelesener Beitragvon xfekbm » 12.05.2019, 16:34

comander99 hat geschrieben:Moin Moin
Ich bin seit ein paar Tagen in Duisburg Lkw Fahrer f√ľr die wirtschafsbetriebe am ausbilden.
Mir ist dabei aufgefallen das es eine Straße zur alten Kaserne gibt, ich Weiß allerdings nicht welche da wann gestanden hat.
Sollte es nicht zu dem Thema hier passen einfach löschen.


Ja, ist eine der neu angelegten Straßen in dem neuen Industriegebiet auf dem Gelände der Glamorgan barracks prostt-
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