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Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

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Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Thon » 24.05.2015, 16:07

Ja, das war ein wirklich erbaulicher Ausflug. Sollte eigentlich häufiger unternommen werden. Ich denke, ich werde mich mal am 21. Juni, zur Sommersonnenwende zu den Externsteinen trauen.
Creuzwech, Langelau und das Dreih√ľgelheiligtum, also alles rund um und im Oesterholz sind von tiefer Bedeutung, da bin ich mir sicher.
Ich habe mal gelesen, leider weiß ich nicht mehr wo, daß die Germanen (wenigstens ein paar von ihnen) zum Germanischen Totenfest oder Einherjersfest zu einer Kreuzung in der Nähe der Externsteine gingen um dort in Kontakt mit ihren Ahnen zu treten. Das Toten- und das Fest der Anderswelt fand im Germanischen Raum am 2. Vollmond nach dem Herbstfest/Erntedankfest statt, also am 2. Vollmond nach der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche rund um den 23. September. Uns ist dieses Fest eher als Allerheiligen oder neumodisch als Halloween bekannt. Jedenfalls ist in dieser Nacht die Grenze zum Totenreich besonders durchlässig und an diesem Ort soll sich das auch nocheinmal verstärken.

Ich habe ja bereits mehrfach auf die Vielschichtigkeit Germanischen Sprachgebrauchs hingewiesen. Wilhelm Gr√∂nbech, d√§nischer Universalgelehrter und Professor f√ľr Religionsgeschichte schrieb zu Beginn des letzten Jahrhunderts sein gro√üartiges und wegweisendes Werk: "Kultur und Religion der Germanen". Es ist nicht m√∂glich, die mehr als 800 Seiten hier auch nur ansatzweise als kurze Zusammenfassung wiederzugeben. Nur soviel sei gesagt. Gr√∂nbech stellt fest (besser: beklagt!), da√ü viele zwar alte Worte, die wir heute gebrauchen mit v√∂llig neuen Assoziationen besetzt sind und uns somit nicht an das Wesen unserer Ahnen und deren tief geistlichen Gedankenwelt herangelangen lassen. Nebst vielen Beispielen bringt er auch folgendes an:

...aber es geh√∂rt auch zur Natur der Erde, wegsam zu sein; weil sie den F√ľ√üen der Menschen Pfade bietet und Raum zum freien Ausschreiten, erh√§lt sie den Namen Weg oder Wege; und hier k√∂nnen wir mit eigenen Augen sehen, wie tief im Alltagsgedanken die Worte verankert sind .... in der alten Alltagssprache ist Norwegen einfach soviel wie "Nord-Wege", und die Ost-Wege bedeuten Ru√üland

Wege bezeichnet demnach im alten Germanischen Sprachgebrauch auch ganz einfach "Ort" oder "Gegend".
Und somit kann Helvegr, Helweg, Hellweg auch Name f√ľr eine Region bedeuten. Die Gegend der Hel.

Betrachtet man das √ľberproportionale Vorkommen an fr√ľhzeitlichen Grabst√§tten rund um den Hellweg ist eine solche Assoziation naheliegend. Wobei damit nat√ľrlich die Bedeutung als Wegstrecke nicht abgesprochen werden soll. Es k√∂nnen durchaus viele Bedeutungen parallel existieren.

Die Eiszeiten und die Eisgrenze brachten es mit sich, daß die Erdkruste in einer solchen Region poröser als andrswo ist, was sich nicht zuletzt auch in vielen Höhlen und Steinformationen zeigt. Vielleicht findet auch dieser Umstand seinen Widerklang in der Bezeichnung Helweg.
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Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Lampenputzer » 14.08.2015, 23:01

Hallo,

man kann ja viele Deutungen da hineinlegen,nur ich bin wie immer der Praktische Mensch :-)

In der Anfangszeit siedelten die Menschen in kleinen Gruppen (D√∂rfern) entlang der Fl√ľsse und machten sich dort heimisch.Nutzen und Verwendung f√ľr √ľber√∂rtliche Verbindungswege gab es da noch nicht.
Erst als sich die erste Städte bildeten,kam es auch zu einem "Verkehrsbedarf",da die Städte auf Handel angewisen waren.
Salz war in der damaligen Zeit ein weitaus wertvolleres Produkt als Gold und daher denke ich,das der Name des Wege(s) von daher kommt.

Wobei es sich außerhalb der damaligen Städte nicht immer um die heutigen Straßen handelt.Gerade im Zeitraum ab 1815 wurden zum B. hier in Preußen sogenannte "Kunststraßen" ( Chausseen vordringlich nach militärischen Gesichtspunkten geplant) errichtet.
Diese haben mit dem alten Handelsweg aber nicht immer was zu tun.

Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen:
Hier im Thread wurde Unna angesprochen,dort ist der Hellweg aber nur noch in Teilen der Innenstadt auf seinem urspr√ľnglichen Weg vorhanden.
Bedingt durch den Bau der Eisenbahn im 19.Jahrhundert wurde die alte Wegverbindung nach Osten(Werl) hier gekappt.
Der urspr√ľngliche Hellweg f√ľhrte aus der Stadtmauer von Unna heraus und ging dann (√ľber die heutige Uhlandstra√üe an der Firma Breitenbach vorbei) auf der Bahntrasse bis kurz vor M√ľlhausen.Hier schwenkte er kurz nach rechts und f√ľhrte dann oberhalb der Bahnlinie weiter nach L√ľnern,Stockum,Hemmerde und Werl.
Wobei er heutzutage nicht mehr durchgängig befahrbar ist,da durch Flurbereinigungs-und Baumaßnahmen der Laufweg gekappt wurde.
Im Stadtgebiet von Unna kann man ihn noch als Hellweg finden ,während er im Gebiet der Stadt Werl als Salzweg bezeichnet wird.

Wobei bis in die 1960er-Jahre Weg schon zuviel gesagt w√§re,denn Asphaltdecke gab es damals noch nicht.Der Weg war einfach durch das h√§ufige Befahren der Landwirtschaft "Befestigt",so wie halt fr√ľher durch Handelskarawanen.
Das heißt,man hatte die Fahrspuren der Räder,die Knochenhart waren und dazwischen Gras und Unkraut.
http://arge-nord-ost.de/projekte/Hohlwe ... ohlweg.jpg
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Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 15.08.2015, 17:31

Nun, die Fernwege waren oft √§lter als die Ansiedlungen an ihm. Das trifft zumindest h√§ufig f√ľr die Ansiedlungen zu, die heute als D√∂rfer und Kleinst√§dte erhalten sind. Die Menschen siedelten sich an seinem Rande an, es wurde keine Ansiedlung 100km weg vom n√§chsten Weg gebaut und dann eine Trasse gebaut.
Nicht umsonst galten Menschen, die nur etwas abseits der Dörfer wohnten, als Sonderlinge oder Einsiedler.
Der Helweg f√ľhrt oft auch durch Gebiete, die mit Salz nichts zu tun hatten. Er kommt aus dem Frankenreich hoch und zieht bis in die Spitze Nord-Holsteins (D√§nemark). Es gab ihn lange vor den R√∂mern. Mit anderen alten Wegen ist das √§hnlich. ZB wurde der Heerweg schon sehr fr√ľh genutzt, auch wenn er erst zur Zeit der Sachsen/Frankenkriege als solches bezeichnet wurde.
Der Helweg läuft in Unna eigentlich nicht "irgendwie" durch, lediglich die letzte Trasse ist noch teilw. erkennbar. Die Reste anderer Trassen sind ebenfalls erhalten, zB in der Namensgebung neben dem Haarweg, der ebenfalls sehr alt ist, wie die bronzezeitlichen und steinzeitlichen Gräber neben ihm auf seinem Weg gen Osten bezeugen.
Wenn man also postuliert: Ich denke praktisch und der Name kommt vom Salz, dann gilt es zu belegen, daß der Weg entweder vor Beginn des Salzabbaues nicht existierte oder er anders hieß.
Ebenso m√ľ√üte man also belegen, da√ü der Salzabbau schon √§lter ist als die Produkte, die schon in der Steinzeit √ľber den Helweg in die von ihm erreichten Gebiete gebracht wurden.
Klar, es ist nat√ľrlich m√∂glich. Aber l√§√üt es sich belegen?
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Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Lampenputzer » 15.08.2015, 21:28

Hallo,

grenzen wir zunächst einmal den Zeitraum ein,nämlich auf 10.000 vor heute, als in Europa und somit bei uns der "Wechsel" auf den "modernen" Menschen erfolgte .

Damals geriet die bis dato hier dominierende J√§ger-und Sammler Gemeinschaft,die nicht se√ühaft war unter den Einflu√ü der von au√üen nach hier str√∂menden Bauern.Wie jedoch durch die heutige Technik nachweisbar ist,war bei beiden noch bis vor 5.000 Jahren Fisch das Hauptnahrungsmittel,was man also als Beleg daf√ľr nehmen kann,das sie alle sich in der N√§he von Fl√ľssen oder gro√üen B√§chen niedergelassen hatten.

Womit wir beim Thema w√§ren,denn sp√§testens mit dem Wechsel der Hauptnahrungsquelle d√ľrfte auch der Bedarf an Salz entstanden sein.Und da bringt sich Frankreich ganz pr√§chtig ein,weil die Gewinnung von Salz aus Meerwasser nat√ľrlich in Regionen mit einer l√§ngeren Sonnenscheindauer als Deutschland wesentlich effektiver ist.Wobei das Salz dort auch noch von weiter gekommen sein kann,schlie√ülich ist die Meerwasser-Entsalzung bei allen Hochkulturen am MIttelmeer praktiziert worden.


Und dazu:
Der Helweg läuft in Unna eigentlich nicht "irgendwie" durch, lediglich die letzte Trasse ist noch teilw. erkennbar.


Nein,schließlich "war" Unna nach heutigen Maßstäben ein Dörfchen......

Dort,wo heute auf der Massener Stra√üe das Kinocenter ist ,befand sich kurz davor das Stadttor Massener Tor in der Stadtmauer.Hier m√ľndete der
"Hellweg" (Massener Stra√üe) in die Stadt ein und f√ľhrte dann zum Marktplatz und von dort auf der heutigen Bahnhofstra√üe bis zur Morgenstra√üe,wo er durch das
Morgentor (heute die beiden Kneipen vor dem Ring,den es ja erst seit 30 Jahren gibt) die Stadt wieder verlie√ü und als Hellweg weiterf√ľhrte.

HIer auf diesem Modell kann man das "Kuhdorf" schön sehen samt den 5 Stadttoren:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... GP0091.jpg
-Massener Straße
-Hertinger Straße
-Wasserstraße
-Morgenstrasse
-Viehstraße

wobei der Name Wasserstra√üe w√∂rtlich zu nehmen ist,denn fr√ľher war dort der Zugang zum Bornekamp,wo der Kordelbach aufgestaut wurde.

Denn dieser war ein gr√∂√üerer Bachlauf,der st√§ndig Wasser f√ľhrte,weshalb sich die Stadt ja auch hier ansiedelte.
Heutzutage kann man das kaum glauben,aber der Bau der Autobahnen A 1 und A 44 Ende der 1960er/Anfang der 1970er-Jahre veränderte
die Abf√ľhrung der Niederschl√§ge nachhaltig.
Daher f√§llt der heutzutage im Stadtgebiet unterirdisch gef√ľhrte Kordelbach √∂fters trocken.
Daf√ľr mussten an anderen Stellen (n√§mlich da,wo die Abw√§sser der Autobahnen bei Regen landen) Schutzma√ünahmen ergriffen werden.
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Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 16.08.2015, 14:24

Das √§ndert aber doch garnichts daran, da√ü wir nicht wissen, wie der Weg vor dem Salzabbau hie√ü. Von daher wissen wir auch nicht, ob er dann erstmal Hall-Weg hie√ü oder nicht. Es ist und bleibt lediglich eine Theorie. Nat√ľrlich durchaus m√∂glich.
Wenn der Weg der Eiskontur von vor √ľber 10.000 Jahren folgt, gab es den Weg vor dem Salzbedarf, so sich der Salzbedarf denn wirklich erst mit Ankunft der Streitaxtleute bildete. Da w√ľrde dann eine hypothetische Annahme die andere st√ľtzen m√ľssen.
M.E. hätten gerade Fischer das Salz gut zum Pökeln gebrauchen können. Mengenmäßig mehr als zum Backen.
Wir wissen weder, wie der Weg vorher hieß, noch ob er dann erst Hallweg hieß, bevor er zum Helweg wurde. Von daher bleibt es bei: ratlos-

An den Meeren konnte man immer Salz gewinnen, wozu dann das Salz per Weg exakt in die seltenen Regionen bringen, die selber Salzquellen haben? Und von hier weiter nach Dänemark, wo wieder leicht Meersalz gewonnen werden kann?
Der Seidenweg, Bernsteinweg etc hatten zum Ziel, das Produkt eben dorthin zu bringen, wo es nicht selbst zu produzieren war.

Du hast den Verlauf in Unna gut dargestellt. Aber nicht des Helweges als solches (das geht auch gar nicht), sondern die Trasse des Helwegs zur Zeit des Stadtmauerbaues. Das meinte ich oben.
Die letzte Trasse wäre dann die B1 und heute eigentlich die A44. Fernwege sind nicht statisch, sondern dynamisch, wie die Pisten in Nordafrika.
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