Um alles zu sehen Registrier dich bitte bei Bunker-nrw

Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Bernsteinzimmer,Rheingold usw.

Moderatoren: Bunker-nrw, Sargon_III, PGR 156

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon chk » 24.02.2015, 22:15

Also, wir haben frĂŒher gelernt, das der Hell oder Hallweg seinen Namen vom Salz hat, das ĂŒber diesen Weg von den Salzvorkommen zum Beispiel in Werl, oder Salzkotten abtransprtiert wurde
Auch in anderen Gegenden steht Hall fĂŒr Salz, als Beispiel: Hallstatt in Östereich, Bad Reichenhall.

Just my two cent
Benutzeravatar
chk
Bunkerspezi 2
Bunkerspezi 2
 
BeitrÀge: 371
Registriert: 09.01.2011, 18:03
Danke gegeben: 3 mal
Danke bekommen: 0 mal
Postleitzahl: 59
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 25.02.2015, 07:49

Das klingt zwar im ersten Moment einleuchtend, aber der Wandel a-e ist nicht drin. Die Änderungen der deutschen Sprache im Laufe der Jahrtausende ging mit gewissen Regeln vonstatten, siehe: Erste und zweite Lautverschiebung. Aus einem "Hall..." wurde kein "Hell...".
Daher wird diese Herleitung des Hellwegnamens meines Wissens auch nicht thematisiert.
Die Namensthematik ist nicht einfach.
Ein Beispiel aus dem Englischen:
Schmied: Blacksmith
Die Farbe Schwarz: Black
Name diverser Bergkuppen/Berge in England: Black Hill, Black Tor
Die Herleitung stammt aus dem Keltischen: Der Schmied nutzt ein Feuer, auf den HĂŒgeln wurden Signalfeuer entzĂŒndet. Feuer qualmen. Unser deutsches "blaken" stammt ebenfalls davon, zB eine "blakende Fackel". Der schwarze Qualm wird also thematisiert.
Namensableitungen/Ortsnamensableitungen aufgrund eines Àhnlichen Klanges sind also immer mit Vorsicht zu geniessen.
Beim unserem Weg ist auch ein Problem, das beide Varianten: "Hellweg" und "Helweg", beide schon lange parallel genutzt werden.
Welcher Name mag der Originale sein?
Benutzeravatar
PGR 156
Moderator
Moderator
 
BeitrÀge: 9649
Registriert: 21.12.2008, 11:55
Wohnort: Kreis Unna
Danke gegeben: 814 mal
Danke bekommen: 1138 mal
Postleitzahl: 59199
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Thon » 25.02.2015, 08:09

Moin,
ich glaube die Frage ob Hell oder Hel und was frĂŒher war, ist zu vernachlĂ€ssigen. Es gibt keinen Widerspruch in beiden Schreibweisen, beides ist zutreffend. Das Germanische Wort kennt immer drei Bedeutungen, die sich aus der Dreifaltigkeit ableiten lassen. Sie haben immer eine Bedeutung im Werden, im Sein und im Vergehen. Hel ist sicher die Ă€ltere Variante, da Doppelkonsonanten erst spĂ€ter gebrĂ€uchlich wurden. (gibt keine Doppelrunen, außer bei den Elektrikern ;-) )
Die Frage ist doch eigentlich die, wie alt der Hel(l)weg ist.
Beschreibt der Helweg mythologisch bedeutsam bereits die Eiskannte? Oder ist er tatsÀchlich "nur" ein Weg gewesen auf dem Reisende, Handelnde oder KÀmpfende unterwegs waren.

Ich wĂŒrde zudem gerne der Frage auf den Grund gehen, ob die AnhĂ€ufung von HĂŒgelgrĂ€bern rund um den Helweg, die ja nicht von der Hand zu weisen ist, durchschnittlich oder vielleicht doch ĂŒberproportional ist.

Gruß,
J.
Benutzeravatar
Thon
Themenstarter
Bunkerspezi 1
Bunkerspezi 1
 
BeitrÀge: 300
Registriert: 01.05.2012, 06:12
Wohnort: Westfalen SĂŒd
Danke gegeben: 19 mal
Danke bekommen: 92 mal
Postleitzahl: 58730
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon chk » 25.02.2015, 12:39

Wenn ich sehe, wie sich Ortsnamen im Laufe der Jahrhunderte verĂ€ndern, wĂŒrde ich zumindest einen Wechsel a auf e nicht ausschließen, dem Volk aufs Maul geschaut, und man wird schnell feststellen, das man sich oft nicht an phonetische VerĂ€nderungsregeln gehalten hat. Seis drum, es ist auf jeden Fall ein interresantes Thema !!!

Wege wurden oft einfach nach praktischen Grundsetzen benutzt, im Sauerland oft auf BergkÀmmen wegen der sumpfingen FlusstÀler (Plackweg), mit abzweigenden Wegen zu Dörfern. Nur bei wichtigen Orten gings dann auch mal ins Tal.
Oder im Mittelater ging man im Flachland oft einfach auf den Kirchturm des nĂ€chsten Ortes zu, kann man an der B1 oder um Erwitte herum noch öfters sehen. Das könnte auch zu einer leichte Verschiebung der Trasse des ursprĂŒnglichen Hell oder Helweges gefĂŒhrt haben.
Nur so als Hinweis bei der Suche.
Benutzeravatar
chk
Bunkerspezi 2
Bunkerspezi 2
 
BeitrÀge: 371
Registriert: 09.01.2011, 18:03
Danke gegeben: 3 mal
Danke bekommen: 0 mal
Postleitzahl: 59
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 25.02.2015, 13:08

Die alten Wege hatten oft mehrere Trassen, wie noch heute bei den Pisten in Nordafrika oder oben am Haarweg zu sehen. Die liefen dann parallel. Das ist auch beim Helweg so.
Das interessante beim Helweg ist auch, daß er eben kein Fernhöhenweg, wie zum Beispiel der Haarweg, ist. Die Helwegzone muß bereits frĂŒh trocken gewesen sein und war bereits im 6. Jhr durchgehend "beackert".
Der Helweg durchlĂ€uft die Siedlungsgebiete vieler verschiedener Völker mit komplett unterschiedlichen Dialekten schon und gerade in der FrĂŒhzeit, eine flĂ€chendeckende Änderung von "a" nach "e" wĂ€re da schon seltsam. Das wĂ€re als 3. germanische Lautverschiebung bekannt und wĂŒrde quasi alle entsprechenden Wörter betroffen haben.
Oftmals stehen Kirchen und Kapellen auf ehemaligen HeiligtĂŒmern/KultplĂ€tzen. Diese waren oftmals durch schnurgerade Linien miteinander verbunden. Deshalb stehen dann heute oftmals die Kirchen auf diesen "Linien".
Kurioser Weise heißt eine ca. 200m lange Straße sĂŒdlich des heutigen (und nördlich des alten) Haarweges heute auch "Zum Hellweg" kratz- .
Daher besteht schon die Möglichkeit, daß der Haarweg eine alte Trasse des Helweges ist, zu einer bestimmten Zeit vielleicht.
Benutzeravatar
PGR 156
Moderator
Moderator
 
BeitrÀge: 9649
Registriert: 21.12.2008, 11:55
Wohnort: Kreis Unna
Danke gegeben: 814 mal
Danke bekommen: 1138 mal
Postleitzahl: 59199
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Thon » 25.02.2015, 18:35

In Bochum und in Dortmund ist es ja ĂŒberdeutlich. Da gibt es gleich mehrere FĂŒhrungen mit dem Namen Hellweg. Bei uns in der Ecke kommt das auch hĂ€ufig vor. In Landwehr gibts nen Hellweg und in Bausenhagen die Hellkammer. Sehr interessant! Bin ich mal abgelaufen. Geht an einem HĂŒgel vorbei, der oben auffĂ€llig abgeflacht ist und z.T. ist da der evang. Friedhof drauf. "Zum Helweg" kann ja auch ein Weg zum Hellweg, also ein Zubringer, bedeuten. Die dĂŒrfte es ja auch zu Hauf gegeben haben
SĂ€mtliche "Hellwege" nördlich der B1 zwischen Unna und Soest, so z.B. BĂŒdericher Hellweg, MĂŒhlhauser Hellweg etc. dĂŒrften wohl so ziemlich die ursprĂŒngliche FĂŒhrung haben. Aber da komme ich spĂ€ter noch zu, wenn ich die (möglichen) StreckenĂŒhrungen weitermache.

Das Salz in Werl und Salzkotten lĂ€ĂŸt sich nicht von der Hand weisen und ist sicher ebenfalls von Bedeutung. Nur glaube ich nicht als Namensgeber fĂŒr den Hellweg. Wie kommte es eigentlich zu der Verbindung Hall und Salz? Wenn es da einen Zusammenhang zwischen Hel(l), Hall und Salz gibt, kann ich mir nur vorstellen, daß man die Verbindung dahingehend gezogen hat, daß man in die Hel muß um Salz zu fördern kratz- also Hall in Bezug auf Salz von Hel abgeleitet wurde. Umgekehrt erscheint mir unwahrscheinlich.

Selbst wikipedia gesteht dem Hel(l)weg ca. 5000 Jahre zu. Andere gehen bis zu 200 000 Jahre zurĂŒck. Aber selbst wenn wir von "nur" 5000 Jahren ausgehen, kann man sicher davon ausgehen, daß sich die Bedeutung im Laufe der Jahre immer mal wieder verschoben hat. Somit erĂŒbrigt sich eigentlich ein "Gelehrtenstreit" darĂŒber ob es ein Handelsweg, ein Heerweg, eine Salzstraße oder was auch immer ist bzw. gewesen ist. Vermutlich ist er das irgendwann einmal alles gewesen. Ist einfach nur eine Frage, welchen Zeitraum man seinen Betrachtungen zugrunde legt.
Benutzeravatar
Thon
Themenstarter
Bunkerspezi 1
Bunkerspezi 1
 
BeitrÀge: 300
Registriert: 01.05.2012, 06:12
Wohnort: Westfalen SĂŒd
Danke gegeben: 19 mal
Danke bekommen: 92 mal
Postleitzahl: 58730
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 25.02.2015, 20:15

Der Heerweg ist ebenso alt. Kommt von der Frankenfurt (Frankfurt) hoch, fĂŒhrt auf der Wasserscheide durch das Bergische Land und trifft auf den Helweg.
Wobei die wenigsten wissen, daß das Bergische Land nach den Herren von Berg benannt wurde und nicht nach seinen HĂŒgeln. Wie auch der MĂ€rkische Kreis nach den Herren von der Mark.
Benutzeravatar
PGR 156
Moderator
Moderator
 
BeitrÀge: 9649
Registriert: 21.12.2008, 11:55
Wohnort: Kreis Unna
Danke gegeben: 814 mal
Danke bekommen: 1138 mal
Postleitzahl: 59199
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Thon » 25.02.2015, 20:39

...so, geht weiter:

Der letzte Stand war ja Dorstfelder Hellweg, der zur Rheinischen Straße wird und direkt auf die Dortmunder Innenstadt mit dem Westenhellweg zulĂ€uft. Der Verlauf ist gut dokumentiert und gibt keine RĂ€tsel auf. Durch die Sadt wird der Westenhellweg zum Ostenhellweg, verlĂ€ĂŸt die Innenstadt und geht weiter ĂŒber die Kaiserstraße, die so zu Ehren des prachtvollen Einzugs Kaiser Karls des IV. genannt wurde.

Abschn_8_Do_Innenstdt.jpg


Auch der weitere Verlauf gibt keine wirklichen RĂ€tsel auf. Von der Kaiserstraße wird der Hellweg zum Körner Hellweg und zieht sich weiter nach Osten. Einmal stutzig wurde ich bei Paderborner Straße und Breite Straße. Möglicherweise Hinweise auf eine alte FĂŒhrung? Aber die Straßen in der Siedlung rund um die Paderborner Straße haben alle irgendwelche StĂ€dtenamen. Bleiben wir besser beim Hellweg.

Abschn_9_Kaisrstr-KrnrHllwg.jpg


Brackelner Hellweg wird Asselnser Hellweg....

Abschn-10_BrklHllwg-AsslnrHllwg.jpg


...Asselner Hellweg wird Wickeder Hellweg...wird Massener Hellweg

Abschn_11_AsslnrHllwg-MssnrHllwg.jpg


...Massener Hellweg wird Hansastraße und nun wirds komisch...

Abschn_12_MssnrHllwg-Hnsstr.jpg


...denn das Ganze verlĂ€uft mir irgendwie viel zu weit nördlich. Es ist ja höchst unwahrscheinlich, daß der Hellweg nördlich an Unna vorbeilaufen sollte. Aber um auf Unna im Westen zuzulaufen, mĂŒĂŸte der Hellweg deutlich weiter sĂŒdlich sein. Hat wer ne Ahnung? Im Westen dĂŒrfte der Stadteingang wohl an der Lindenbrauerei gewesen sein und im Osten, vorbei an der Kirche, am Morgentor. Dem gegenĂŒber geht es auch mit einem Hellweg weiter.

Abschn_13_Hnsstr-UnnInnstdt.jpg


...habs hier nochmal etwas weitrĂ€umiger. In Pink und GrĂŒn mögliche Alternativen zur Hansastraße.

Problem1_MssnUnn.jpg


...Fortsetzung folgt
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die DateianhÀnge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
Thon
Themenstarter
Bunkerspezi 1
Bunkerspezi 1
 
BeitrÀge: 300
Registriert: 01.05.2012, 06:12
Wohnort: Westfalen SĂŒd
Danke gegeben: 19 mal
Danke bekommen: 92 mal
Postleitzahl: 58730
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 26.02.2015, 07:39

Ja, ich hab' da Ahnung vom Verlauf in Unna. Muß aber nachlesen und da komme ich erst am Wochenende zu...
Benutzeravatar
PGR 156
Moderator
Moderator
 
BeitrÀge: 9649
Registriert: 21.12.2008, 11:55
Wohnort: Kreis Unna
Danke gegeben: 814 mal
Danke bekommen: 1138 mal
Postleitzahl: 59199
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon combo » 26.02.2015, 17:44

Noch mehr Lesestoff, etwas Àlter aber interessant!
https://www.lwl.org/geko-download/Spiek ... ker_17.pdf
Benutzeravatar
combo
Bunker Oberst
Bunker Oberst
 
BeitrÀge: 3813
Registriert: 30.12.2012, 10:24
Danke gegeben: 1102 mal
Danke bekommen: 1102 mal
Postleitzahl: 583
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Thon » 02.03.2015, 11:04

Moin,
nicht zuletzt aufgrund von GesprĂ€chen und Material mit und von PGR komme ich immer mehr zu dem Schluss, daß jeder Versuch, die StreckenfĂŒhrung des Hellweges nachzuvollziehen bestenfalls eine Momentaufnahme fĂŒr einen bestimmten Zeitraum sein kann. Ereignisse wie sich drastisch verĂ€ndernde FlußlĂ€ufe, so wie z.B. beim Rhein bei Duisburg, fĂŒhrten in der Vergangenheit zu entscheidenden Verschiebungen der Strecke. Betrachtet man den Hellweg als Wegstrecke, so muß man dabei sicher auch den Grad seiner Nutzung, soll heißen, welche StreckenfĂŒhrung (von scheinbar mehreren parallel existierenden) wurde am hĂ€ufigsten genutzt und hatte somit die grĂ¶ĂŸte verkehrstechnische Bedeutung, berĂŒcksichtigen. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man heute sicher der A40 und der B1 die Bedeutung des einstigen Hellweges zusprechen. Aber wir sollten auch nicht zu stark relativieren. Die Verschiebungen der Strecke im Laufe der Jahre (Jahrtausende!) dĂŒrften die 500m wohl kaum bis nie ĂŒberschritten haben. Ich werde trotzdem bei Gelegenheit weiter die möglichen StreckenfĂŒhrungen auf Satellitenbildern eintragen, da ich das so oder so einfach recht anschaulich finde.

Seit Römer Germanien eroberten und besetzten ist ĂŒber diverse Wegstrecken u.A. dem Hellweg viel auf sachlicher Ebene ĂŒberliefert (Danke Combo fĂŒr das PDF - sehr gut daumen- ) und bis heute erhalten und nachlesbar. Zudem tragen Ausgrabungen und die aktuelle Forschung auch zu immer neuen Erkenntnissen bei.
Ich habe dieses Thema ja bewußt unter Legenden und nicht unter alte Verkehrswege gestartet, um halt auch auf den mystischen, den legendenbildenden Aspekt des Hellwegs einzugehen. Und dieser Aspekt ist mindestens genauso vielschichtig und unterschiedlich wie es die verschiedenen StreckenfĂŒhrungen zu unterschiedlichen Zeiten sind. Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, daß alle Unterschiede, sei es im Namen Hel oder Hell, in seiner StreckenfĂŒhrung und seinen unterschiedlichen Mythen und Legenden, keine zwingenden GegensĂ€tze, die sich gegenseitig ausschließen, darstellen mĂŒssen.
Um uns dem mystischen Aspekt zu nĂ€hern, mĂŒssen wir nochmal die Wortbedeutungen Hel und Hell nĂ€her beleuchten. FĂŒr uns erscheint dies ersteinmal als Gegensatz, als Widerspruch. In der Sprach- und GefĂŒhlswelt der alten Germanen war dies aber nicht so. Da haben wir zum einen die Dreifaltigkeit aus Werden, Sein und Vergehen, die jedem Germanischen Wort inneruht und zum anderen die PolaritĂ€t. Eine Redewendung, die die PolaritĂ€t am besten beschreibt lautet: "Die zwei Seiten ein und derselben MĂŒnze" Was soviel bedeutet, daß GegensĂ€tze immer zusammengehören. Laut-Leise, Gut-Schlecht, Hell (Licht, strahlend...) Hel, Hölle (Unterwelt, dunkel, ohne Licht) Das Eine bedingt das Andere und umgekehrt. R.J. Gorsleben sagt dazu, daß jedes Wort ĂŒber ein Theonium und ein DĂ€monium verfĂŒgt, also einen positiven und einen negativen Wert hat.
Der Forscher R.J. Gorsleben hat der Erforschung einer (EuropĂ€ischen) Ur-Sprache sein Leben gewidmet und das großartige Buch, "Hoch-Zeit der Menschheit" verfasst.

Hier mal ein paar Beispiele zur Dreifaltigkeit:

TrinitÀt_kl.jpg


...und zur PolaritÀt:

PolaritÀt_kl.jpg


Auf den Hel(l)weg bezogen bedeutet das, daß sich der helle, lichte Weg, möglicherweise sogar der Weg zum Himmel und der Weg zur Unterwelt, ins Dunkele, in die Hölle, nicht widersprechen. Zur Schreibweise schrieb ich ja bereits, daß Doppelkonsonanten erst verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig spĂ€t gebrĂ€uchlich wurden und daher davon auszugehen ist, daß Hel wohl die ursprĂŒngliche Schreibweise ist.
Wilhelm Langwiesche weiß dazu in seinem kleinen SchiftstĂŒck "200 000 jĂ€hrige Menschheitserinnerungen" noch folgendes zu schreiben:

"Bei Hel und Asgard (Götterhimmel) begegnet uns ein offenbar gewollter, zur Verschleierung dienender Widerspruch. So wie in der mittelalterlich-christlichen Vorstellung liegen nĂ€mlich auch nach der Voluspa-Edda Himmel und Hel dicht beieinander, der Himmel oben, Hel unten. Hermod dagegen in der Gylfaginning reitet auf dem Helweg neun NĂ€chte, bis er erst zur GjöllbrĂŒcke und danach zur Hel kommt. FĂŒr den "Wissenden" wird der Widerspruch dadurch gelöst, daß der Helweg zu beiden fĂŒhrt und in der ErzĂ€hlung, Ă€hnlich wie in einem Traum, eine verknĂŒpfende Rolle erhĂ€lt. Die örtliche NĂ€he von Helweg, Hel und Himmelssaal bleibt dabei im Grunde erhalten."

Soviel erstmal zum Begriff Hel und seiner zwei Schreibweisen mit Einzel- und Doppelkonsonant. Im nÀchsten Teil geht es mit Langwiesche und dem Hellweg in der Edda weiter.
...Fortsetzung folgt!
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die DateianhÀnge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
Thon
Themenstarter
Bunkerspezi 1
Bunkerspezi 1
 
BeitrÀge: 300
Registriert: 01.05.2012, 06:12
Wohnort: Westfalen SĂŒd
Danke gegeben: 19 mal
Danke bekommen: 92 mal
Postleitzahl: 58730
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 02.03.2015, 13:04

Nur zur ErklÀrung: Das germanische Totenreich Hel, dortiger Amtsleiter die gleichnamige Göttin, ist nicht zu verwechseln mit der spÀteren "Hölle". In der Hel konnte man ein durchaus angenehmes Leben nach dem Tode verbringen, sofern man im Leben kein schÀbiger Lump war.
Es landeten ja alle bei Hel, die nicht im Kampfe, bzw. durch eine Waffe gestorben waren.
Und welcher Germane wollte schon friedlich im Bette sterben?
Benutzeravatar
PGR 156
Moderator
Moderator
 
BeitrÀge: 9649
Registriert: 21.12.2008, 11:55
Wohnort: Kreis Unna
Danke gegeben: 814 mal
Danke bekommen: 1138 mal
Postleitzahl: 59199
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Thon » 02.03.2015, 14:04

Richtig, das Totenreich Hel ist im Grunde wertungsfrei. SchĂ€bige Lumpen bekamen einen eigenen Platz (auch mit ner fiesen Schlange oder nem Drachenwesen, muß ich nochmal genau nachlesen) und wackere Recken, im Kampfe gefallen wurden von den WalkĂŒren nach Walhalla gefĂŒhrt.
Aber die WortĂ€hnlichkeiten von Hel, Hell (engl.) und Hölle sind deutlich und nicht zufĂ€llig. Es versteht sich ja fast schon von selbst, daß die christliche Kirche die ansonsten wertfreie Hel annektieren und zur fĂŒrchterlichen Hölle machen mußte, in die man kam, wenn man sich nicht den christlichen (Glaubens-)Gesetzen unterwarf. UnterwĂŒrfigkeit ist schon immer Kernelement der christlichen Kirche gewesen.
Und die christliche Kirche hat letztlich jedes Element der germanischen Mythologie aufgegriffen, verdreht und neu besetzt.
Benutzeravatar
Thon
Themenstarter
Bunkerspezi 1
Bunkerspezi 1
 
BeitrÀge: 300
Registriert: 01.05.2012, 06:12
Wohnort: Westfalen SĂŒd
Danke gegeben: 19 mal
Danke bekommen: 92 mal
Postleitzahl: 58730
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon Thon » 02.03.2015, 20:00

weiter gehts mit dem Hellweg in der Edda und anderen germanischen Überlieferungen und Mythen.
In erster Linie berufe ich mich auf Wilhelm Langwiesche und sein Werk "200 000 jÀhrige Menschheitserinnerungen - Die Externsteine als Schauplatz der Welturmythen"
Wie bereits im Titel zu erkennen, sind der Hauptgegenstand Langwiesches Forschungen die Externsteine. Jedoch spielt der Helweg in seinen Forschungen als Weg zu den Externsteinen eine hervorgehoben Stellung und findet daher entsprechend oft ErwĂ€hnung. Folgendes muß man fĂŒr die weiteren Betrachtungen einfach mal als gegeben betrachten und akzeptieren. Langwiesche geht davon aus, daß die Externsteine wĂ€hrend der Saale-Riß-Eiszeit vor etwa 250 000 bis 185 000 Jahren an einem geologisch besonders bemerkenswerten Punkt, nĂ€mlich an der Nordspitze einer einmalig großen Gabelstelle, der Ginnungagap mit Idafeld, der FlĂ€che vor den Externsteinen (tatsĂ€chlich so um 1093 urkundlich erwĂ€hnt als "territorium Idae") das Zentrum aller Weltschöpungsmythen darstellt. Die Eisgrenze gilt als nachgewiesen. Langwiesche sieht in ihr den Helweg. Seine Thesen stĂŒtzt er auf unterschiedliche Übersetzungen der Edda, aber auch anderer Mythen weltweit. u.A. der Bibel. Wer genaueres dazu erfahren möchte, muß das sehr empfehlenswerte, bereits genannte Buch lesen.
Sicher stellen Langwiesches Ansichten auch nur einige von vielen dar. Er bringt gute Indizien und schlĂŒssige Argumentationen. Aber Beweise hat letztlich niemand. Auch nicht die etablierte Wissenschaft. Sie hat lediglich den breiteren Konsens.

Helweg-ErwĂ€hnungen in der Edda (unterschiedliche Übersetzungen)

"Balldr, hann atti that land, er nu heitir Vestfal"
"Baldr, er hatte (besaß) das Land, das nun Wetsfalen heißt."

Weiterhin wichtig ist die achtmalige ErwĂ€hnung des Helweges. Auf dem Helweg reitet der Odinssohn Hermod, um seinen toten Bruder Baldr zu suchen, zur Hel und zurĂŒck zum Götterheim Asgard. (Langwiesche zitiert hier unterschiedliche Edda-Überstzungen und gibt die Übersetzer an. Ich erspare mir das - bei gezielter Nachfrage gebe ich gerne Auskunft, oder Buch besorgen Professor- )

"...da ergriff Frigg das Wort und fragte, wer sich unter den Asen all ihre Gunst und Huld erwerben wolle, indem er den Helweg ritte und versuchte, Baldr zu finden und der Hel Lösegeld zu bieten...Er heißt Hermod, der KĂŒhne, der sich zu diesem Ritt erbot...Ein MĂ€dchen Modgund (>mutige Kampfmais<) fragt ihn an der GjöllbrĂŒcke (Gold- oder LösegeldbrĂŒcke): ,Wie kommst Du hierher auf dem Helweg? Er antwortetet: ,Ich soll zur Hel reiten, um Baldr zu suchen - hast Du vielleicht Baldr auf dem Helweg gesehen? Sie sagte, Baldr sei in der Tat dort ĂŒber die GjöllbrĂŒcke geritten, ,und der Helweg fĂŒhrt hinab und nordwĂ€rts....Dann (nach vergeblichen BemĂŒhen bei der Hel) ritt Hermod seines Weges zurĂŒck, kam nach Asgard und berichtete alles, was er gesehen und gehört hatte..."

In den meißten Übersetzunge fehlend kommt dann noch in Brunhilds Helfahrt im Urtext zweimal der Helweg vor. Und ebenfalls in der Voluspa, dem bedeutensten Lied der Edda:

."...es schreiten Helden den Helweg"
"...ein Riese (die Midgardschlange!?) kommt los, es grausen sich alle auf den Helwegen.

An dieser stelle bemerkt Langwiesche, daß hier erstmal von mehreren Helwegen die Rede ist und erklĂ€rt das an spĂ€terer Stelle mit dem weiter nördlich verlaufenden Senne-Hellweg, der mit dem WestfĂ€lischen Hellweg eine art Parabel bildet deren Scheitelpunkt vom "Creutzwech" durchschnitten wird.

Kurz zusammengefasst geht Langwiesche davon aus, da er eindeutige ErwĂ€hnungen von vestfal, helweg und dem sprachlich verwandten (h)elivagar in der Edda findet, daß in den alten Göttersagen der große, also der WestfĂ€lische Helweg gemeint ist. (Wörtlich: "Die Namen helveg und vestfal weisen eindringlich nach Westfalen, wo sich der Große Helweg, gewöhnlich nur Helweg genannt, befindet.) Weiter geht er davon aus, daß dieser Helwg die Grenze des bewohnbaren Landes, die Eisgrenze der damaligen Zeit darstellt und sich an seinem Ende im Osten das Götterheiligtum Asgard, Idafeld sprich die Externsteine befinden. Damit will ich mit Langwiesche und einer seiner Zeichnungen erstmal abschließen.

LwHelwgEismorÀneKl.jpg



...Pause, Fortsetzung folgt!
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die DateianhÀnge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
Thon
Themenstarter
Bunkerspezi 1
Bunkerspezi 1
 
BeitrÀge: 300
Registriert: 01.05.2012, 06:12
Wohnort: Westfalen SĂŒd
Danke gegeben: 19 mal
Danke bekommen: 92 mal
Postleitzahl: 58730
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

Re: Der Hellweg - Mehr als nur eine Wegstrecke!?

Ungelesener Beitragvon PGR 156 » 15.04.2015, 22:29

Wandertag von Thon und mir um die Externsteine und den Creuzwech.
Die ganzen HĂŒgelgrĂ€ber habe ich nicht fotoknipst, erfahrungsgemĂ€ĂŸ ist davon auf den Bildern nicht viel zu sehen, gerade, wenn diese in bewaldetem Gebiet liegen.
2015-04-12-936.JPG


2015-04-12-937.JPG


2015-04-12-938.JPG


2015-04-12-940.JPG


2015-04-12-950.JPG


2015-04-12-953.JPG


2015-04-12-956.JPG


2015-04-12-957.JPG


2015-04-12-962.JPG


2015-04-12-966.JPG


2015-04-12-967.JPG


2015-04-12-968.JPG


2015-04-12-970.JPG


2015-04-12-971.JPG


2015-04-12-972.JPG


2015-04-12-974.JPG
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die DateianhÀnge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
PGR 156
Moderator
Moderator
 
BeitrÀge: 9649
Registriert: 21.12.2008, 11:55
Wohnort: Kreis Unna
Danke gegeben: 814 mal
Danke bekommen: 1138 mal
Postleitzahl: 59199
Land: Deutschland
Geschlecht: Mann

VorherigeNĂ€chste

ZurĂŒck zu Legenden

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast