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Klitzekleiner Bunker in Dorsten

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Re: Klitzekleiner Bunker in Dorsten

Ungelesener Beitragvon kappa3 » 29.07.2020, 06:35

Folgenden Text hatte ich am Sonntag schon geschrieben und warte auf Freischaltung.


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mircozmen hat geschrieben:Das ganz e ist von der Telekom, wenn man durch die DrucktĂĽr geht, findet man rechts einen Raum mit Notstrom und vor Kopf einen weiteren kleinen Gestellraum mit gewarteter Technik.


Ich wage mal, Dir da zunächst in Sachen Telekom (Bundespost) zuwidersprechen.

Auf Grund dieses Forenbeitrages war ich kĂĽrzlich nach einem Termin in Marl noch eben in Dorsten und habe mir das Objekt angeschaut.

Das Objekt liegt am Fuße eines Bahndamms, getrennt von diesem durch einen Zuweg. Zu Beginn des Zuwegs weißt ein Schild darauf hin, dass es sich im Bahngelände (Deutsche Bahn AG) handelt. Direkt hinter dem Objekt war mal eine grüne Schranke, die nun links daneben im Gebüsch des Bahndamms liegt. Der rechte Schrankpfosten ist ja auf dem 1. Bild im Eröffnungspost noch zu sehen. Dahinter sind unschwer Kleingärten zu erkennen, die oft auf der Brachfläche zwischen zwei Bahntrassen erreicht wurden durften. Spricht alles für die Bahn…

Das Objekt hat von außen keinerlei Markierungen wie Stationskennzeichen oder Inventartisierungsaufkleber. Dies spricht nicht für eine Nutzung durch die Deutsche Telekom AG, da deren IMDAS-Nummer ansonsten auf Höhe des Türschlosses angebracht wäre. Lesbar und/oder als Barcode.

Der „Schlüssel“ zum ganzen scheint das Türschloss zu sein, welches für die Bahn typisch einen Kreuzbartschlüssel erfordert. Plausibel ist es, dass sich um die Bahn-Generalschlüssel „DB rot“ oder „DB braun“ handeln könnte, welche Zugang zu Betriebsstätten mit Signal- oder Fermeldeeinrichtungen gewähren.

Gegen die Telekom-Theorie spricht für mich auch, dass mir dort noch keine Kreuzbartschlüssel für Türen untergekommen sind. Anwendungen dafür kenne ich dort nur für die Münzfächer der Münzfernsprecher, vornehmlich zu Bundepostzeiten.

Allgemeiner Zustand: Das Schloss sieht auch relativ neuwertig aus, zumindest ohne Korrosion. Innen waren ein paar wenige Böllerreste zu finden, ansonsten ist es wie auf den Fotos recht sauber aus. Allerdingt deutet auch die beschädigte Tür (Querelemente liegen außen) darauf hin, dass dieses Jahr noch niemand Befugtes vor Ort war. Dann hätte diese Person die Querstreben sicherlich zumindest ins Innere gelegt.

Jetzt die Schlussfolgerung: Meinst Du mit Telekom evtl. Telekommunikationstechnik im Allgemeinen statt die DTAG? Dann kommen wir ins Geschäft :-D

Die Fernmeldetechnik der Bundesbahn ging nach der Priviatisierung an die Bahntochergestellschaft DBKom, welche später mit Mannesmann D2 zu Arcor geworden ist. Arcor nutzte für sein öffentlich Telekommunikationsnetz u.a. das private Glasfasernetz der Bahn, welches idealerweise neben den Gleisen von Stadt zu Stadt verlegt ist. Die Arcor-Übertragungstechnik steht/stand durchaus in BaAs-Standorten oder trassennahen Betriebsstätten. Long story short: Die Bahn betreibt ihr Telekommunikationsnetz mittlerweile wieder selbst, u.a. als DBsystel. Der öffentliche Teil des ehemaligen Arcor-Netzes gehört nun der Vodafone-Deutschland.

Allerdings is das genau mein Metier:
- Ende der 1960er als der Bau vermutlich entstand gab es noch keine LWL-Technkík. Ich sah vor Ort aber keine Anzeichen für eine nachträgliche (in den 1990ern/2000ern) vorgenomme LWL-Einführung. Kein Kabelschacht vor dem Bau, kein Hinweis auf Öffnen und Verfüllen des Weges vor dem Objekt.
Oder das ganze wurde so unsichtbar und spurlos duchgefĂĽhrt.
- Ich möchte/kann auch nicht ausschließen, dass Arcor/Vodafone das Objekt als Repeaterstandort verwendet. Allerdings ergibt es für mich auf den ersten Blick an dieser Stelle übertragungstechnisch weniger Sinn, da zu nah an Dorsten, wo man sicherlich einen BaSa-Raum im Dorsten Bf dafür gehabt hätte. -

Ich persönlich halte Signal- oder Fermeldeeinrichtungen der Bahn am plausibelsten. Da die Streckenabschnitte in diesem Bereich aber keine Signale ausweisen und das Stellwerk Hervest in der Nähe längst außer Dienst sind (beides ergab meine Recheche im Vorfeld der Besichtigung), hoffe ich sogar auf klassische Fernmeldetechnik für die BaSa-Technik.
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Re: Klitzekleiner Bunker in Dorsten

Ungelesener Beitragvon Ryuk » 29.07.2020, 12:34

Da hier ja quasi alles irgendwo erwähnt wurde: Ja, der Bunker war mal Standort einer Kleinbasa-Anlage (per Induktivwahl an die nächste Unterbasa in EMD-Technik) - das ist aber seit den 90ern Geschichte, dort wurden die Basa-Anlagen gegen Siemens Telefonanlagen (Hicom 150E Office und Hicom 300 in allen Größen) ersetzt, ein Schrotthändler hat damals jeden umgebauten Bahnhof beserein hinterlassen, dadurch ist von den alten Anlagen kaum mehr was übrig. Im Großnetz kam eine Re-Vermittlung zum Einsatz, eine bahnspezifische Abwandlung der Alcatel 1000 S12-Vermittlungstechnik.

Alles Geschichte, Mitte 2019 wurde die letzte GroĂźnetz-RNE-Anlage in Frankfurt abgeschaltet. Seitdem telefoniert man nur noch ĂĽber Teams und Cisco Call Manager.

Der Standort diente aber auch als Schaltverstärkerstelle, also für die Speisung und Verstärkung analoger Fernleitungen - solche Leitungen waren mal wichtig, um die analoge Vermittlungstechnik über größere Entfernung zu prüfen.

Da das ganze aber nachwievor ein aktiver KabelstĂĽtzpunkt (Kabelendgestelle) ist, gab es auch in diesem Jahr eine wiederkehrende PrĂĽfung der Anlage. Also "Pfoten weg!" ;-)

Ins Neuland gemorst mit meiner Klopfertaste der preuĂźischen Telegraphieverwaltung
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Re: Klitzekleiner Bunker in Dorsten

Ungelesener Beitragvon kappa3 » 05.08.2020, 22:42

Vielen Dank für die Aufklärung.
Dann hat mich die Erscheinung des Objektes also nicht getäuscht.
Haken dran, da aktiv ;)

Zum Thema im Allgemeinen noch :
Kupferleitungsnetze zu Schalt- und Meßzwecken werden noch von einigen Wasser- oder Fernwärmeversorgern verwendet. Nicht mehr rein analog sondern mit Modems an beiden Enden der Leitung.

BASA Essen (Nähe OBD Essen) : Dort sind noch zwischen 2003 und 2005 Teile der EMD-Technik auf dem Schrott gelandet :) Zudem Zeitpunkt war schon längst auf ISDN umgestellt.
S12 Vermittlungstechnik ist bei den öffentlichen Netzbetreibern ebenfalls rückläufig. Die S12 der TROPOLYS sind lange Geschichte und die Teilnehmeranschlüsse auf EWSD umgezogen. Die Deutsche Telekom ist/war ein anderer Großkunden bei Alcatel und Siemens und hat durch die Migration auf All-IP-Anschlüsse ebenfalls Netzknoten beider Techniken zurückbauen können.
Allerdings werden die Gebäude der Vermittlungsstellen dadurch zwar leerer, aber nicht in absehbarer Zeit aufgegeben.
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