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Die Schwimmlehrerin

Moderatoren: Bunker-nrw, Sargon_III, PGR 156

Die Schwimmlehrerin

Ungelesener Beitragvon kuebelfahrer » 23.02.2009, 12:28

Hans schwang sich in die kalten Fluten des Schwimmbeckens.
Unter lauten Kommandos musste er und seine 9 Kameraden
Die Wasserstrasse durchqueren.Er hatte mittlerweile aufgehört mitzuzählen,
wie viel Bahnen sie schon geschwommen waren.
Trotz dieser Strapazen gab es einen Lichtblick ausserhalb des kalten Beckens,
welcher ihn zu Höchstleistungen trieb.
Es war die hochgewachsene, sportliche und äusserst attraktive Ausbilderin, die
Ihn mit strengem Blick jedes Mal erneut zum anderen Ende der Halle trieb.
Er war fest davon überzeugt, in ihrer kalten Miene ein Lächeln zu sehen,
das immer dann zum Vorschein kam, wenn sich ihre Blicke trafen.
Es war eigentlich ungewöhnlich, dass eine Frau für die Absolvierung ihres
Schwimmtrainings zuständig war, jedoch war der männliche Ausbilder nach Berlin abberufen worden, um eine Ehrung entgegenzunehmen.
Sie stand ihren männlichen Kollegen in nichts nach und hart schallten die Rufe in der Halle
Ganz im Gegensatz zu ihrer lieblichen weiblichen Gestalt.
„Noch einmal durch den Ärmelkanal und zurück!“ rief sie; mit erschöpftem Gesicht
Und halb geschlossenen Augen quälten sich die Männer weiterhin durch die Gewässer des
Mosaikverzierten Schwimmbeckens.
Erst als einer der Kameraden nach Luft ringend am Beckenrand klammernd um ein Ende der Übung flehte, schloss sie die Übung mit dem Versprechen ab, sie am morgigen Tage
Eine Bahn mehr schwimmen zu lassen.
Hans stieg mit völlig ausgelasteter Muskulatur aus dem Becken und musste sogar die als
„Oma-Stiege“ verpöhnte Schwimmleiter benutzen, da er nicht mehr imstande war, sich mit seinen starken Schultern aus dem Becken zu stemmen.
Sichtlich erschöpft trat er nun mit gesenktem Blick zum Appell an.
Sie musterte die Reihen der erschöpften Recken und so mancher sehnsüchtige Blick
Fiel auf ihren Körper, den sie grazil im knappen Badeanzug an den jungen Männern
Passieren liess.“Ich darf die Herren nun in die Freizeit entlassen, wir sehen uns morgen um 6
Uhr in alter Frische wieder.“
Sie wendete nun ihren Blick von den erschöpften Männern ab und ihr blonder Zopf verschwand langsam aus dem Blickfeld.
Nun war der Zeitpunkt gekommen, die Initiative zu ergreifen, dachte sich Hans.
Als sich seine Kameraden in die Umkleidekabine begaben,
ging er vorerst ein paar Schritte mit, bis er sich sicher war, dass sie
seine Abwesenheit nicht bemerken würden.Nun ging er zum anderen Ende, der Halle,
wo sich offensichtlich die Ausbilderin aufhielt.
Sie stand im Materialraum und überprüfte die Ausrüstung für die kommende Tauchübung.
Sein Herannahen war von ihr längst gehört worden, denn die nassen Füsse begleiteten seine
Schritte mit einem lauten Platschen, welches durch die ganze Halle schallte.
Dennoch tat sie überrascht, als sie sich umdrehte, um das Wort an ihn zu richten.
Haben sie noch Fragen, Herr Rekrut ?
„Ich darf mich vorstellen, Hans Müller aus Warburg“
„Angenehm, Ingrid Leyenhaus aus München.“
Es entsprach nicht ihrem Rang, jedoch ihrem inneren Wunsch, seine Hand zu drücken,
und so tat sie es mit einem Lächeln.
„Wie komme ich zu der Ehre ihres unautorisierten Besuchs ?“
„Ich habe lediglich eine Frage zum Ausbildungshergang, Frau Leyenhaus.“
Hans wusste, dass sie sicherlich ihren Namen gerne hören würde und er behandelte
Sie mit grösster Hochachtung und Respekt, um sich langsam ihrem stolzen Wesen zu nähern.
„Und die wäre ?“
„Sie haben während unserer Übung den Ärmelkanal erwähnt und ich habe mich gefragt,
ob ein Landser mit vollem Marschgepäck in Falle eines Schiffbruches eine Überlebenschance hätte.“
„Sie stellen da eine sehr interessante Frage, sagte sie mit kühlem Ton und streckte dem ausgehungerten Jüngling ihr üppiges Dekolletee entgegen, als sie sagte:
„Sind sie Manns genug, es in dieser Halle im Laborversuch zu testen ?“
„Er zittterte vor Aufregung und man hätte sicherlich Schweissperlen auf seiner Stirn gesehen,
wenn er nicht ohnehin schon nass gewesen wäre.“
Dennoch gelang es ihm, seine Angespanntheit zu unterdrücken und antwortete kühl:
„Es wäre mir eine Ehre, die Erfahrung mit Ihnen gemeinsam machen zu dürfen.“
Die Zweideutigkeit in seinem Satz fiel beiden sicherlich auf, jedoch kam die Antwort
Blitzschnell aus dem Schatten ihrer kühlen Fassade und zerstörte vorerst seine Hoffnung
Auf ein schnelles Kennenlernen.“Sie werden sich gleich wünschen, diese Frage nicht an mich gerichtet zu haben.“Suchen sie nun ihre Stube auf und bringen sie innerhalb von 5 Minuten
Ihre komplette Ausrüstung mit, denn in 6 Minuten werde ich nicht mehr hier sein.
Nun rannte er klatschnass aus der Schwimmhalle und seine Füsse hinterliessen eine Spur
Im kürzlich gefallenen Schnee, als er sich den Mannschaftsunterkünften näherte.
Seine Kameraden schauten ihn verwundert an, als er hastig allles zusammenpackte, was
Sich in seinem Spind befand.
„Bist du entlassen worden?“,f ragte jemand.
„Nein, sieht eher nach Beförderung aus, entgegnete er mit einem breiten Grinsen.“
„Du bist nicht einzige, der sich Ingrid in seine Koje wünscht.Da beisst Du auf Granit.“
Ohne etwas zu entgegnen, rannte er in voller Ausrüstung zurück zur Schwimmhalle.
Sie hatte ihn um 5 vor 12 losgeschickt und er musste daher vor dem Schlagen der Turmuhr zurück sein.
Auf den letzten Schritten bis zur Halle erschallte plötzlich der monotone Klang der schweren Glocke.Halb stolpernd trat er unter ihre strengen Augen und völlig erschöpft stützte er sich auf seinem Karabiner ab.
„Ich sehe, dass Pünktlichkeit nicht ihre Stärke ist.“
„Ob jedoch Tapferkeit zu ihren Tugenden zählt, wird sich in den nächsten Minuten zeigen.“
Unter sein schweres Schnaufen mischten sich die ersten Worte, die er mühsam hervor brachte: „Ich werde tapfer wie Siegfried sein.“
„Sehe ich aus wie ein Drache?“ entgegnete sie mit einem amüsierten Lächeln.
„Bei leibe nicht, Frau Leyenhaus.“
„Bereit zum Schiffbruch mit mir, Herr Müller?“
„Jawohl.“
Mit einer pfeilschnellen Bewegung, die seine Augen kaum wahrnahmen, seinen Körper jedoch mit voller Wucht erfasste, stiess sie ihn in das 10 Meter tiefe Becken und es blieb ihm kaum Zeit, seine Lungen mit Luft zu füllen.
Der stramme Kinnriemen des Stahlhelmes riss unerträglich an seinem Kiefer und es war neben dem Karabiner der erste Gegenstand, dem er sich entledigte.
Jede Bewegung seines Körpers kostete ihm Energie und der streng rationierte Vorrat an Atemluft ging rasend schnell zu Neige.
Er fragte sich, was in ihn gefahren war, dieser wildfremden Frau zu vertrauen und starrte hilflos nach oben, als ihm bewusst wurde, dass er mit eigener Kraft nicht mehr auftauchen könnte. Zu schwer war der Rucksack, der sich nun mit Wasser gefüllt hatte und ihn wie Blei
Am Grunde des Beckens hielt.Als er eine Gestalt zu ihm hinabtauchen sah, sank er in einen tiefen Schlaf.
Mit einem Brechreiz wachte er auf und hustete qualvoll das Wasser aus seiner Lunge.
Plötzlich strich Ingrid unerwartet zärtlich durch sein Haar und sagte:
„Du bist ein tapferer verrückter Mann, Hans.“
„Sie strich über seine Brust und es dauerte nicht mehr lang, bis sie den Auftakt ihrer Liebkosungen im Materialraum fortsetzten.Dem Tode mit knapper Not entflohen, lebte
Er nun richtig auf, als ihn der Sturm der Leidenschaft vollends erfasste.
In den kommenden Tagen hatten sie grosse Mühe, das Geheimnis ihrer Liebe
Im Kreise der Kameraden zu verbergen.
Sie trafen sich heimlich gegen Einbruch der Dunkelheit an der Statue des Fackelträgers
Und bestachen die Wache mit edlen Zigaretten aus dem Geschäft ihres Vaters.
Der unbestechliche Wachposten war zudem ein guter Freund von Hans, denn sie
Hatten damals die gleiche Schulbank gedrückt.
Jeden Morgen, an dem er unter den strengen Worten des Stubenkommandanten
Aus dem Schlaf getrieben wurde, freute er sich auf die Abendstunden mit seiner Liebsten.
Diesem wunderbaren Erlebnis wurde ein jähes Ende bereitet, als Hans plötzlich
Einberufen wurde, bevor die Ausbildung offiziell beendet war.
Er fand sich nun in einem Güterwaggon wieder, der ihn in die Weiten Russlands trieb.
Als Fallschirmjäger ohne Flugzeug tat er nun seinen Dienst als Soldat im Feuerhagel
Der materiellen Überlegenheit des Gegners.
Er schrieb Ingrid zahlreiche Briefe und der Briefwechsel war das einzige,
was ihrer Sehnsucht Labsal bereitete.
Eines Abends stand er gedankenverloren im Schützengraben und las eine Postkarte von ihr,
die aus Rügen stammte.
Sie war nun auf einer Marineschule und bildete weibliches Personal zum Dienst am
Funkgerät aus.
Ihre Sehnsucht war merklich zwischen den Zeilen zu lesen und
Es war sein grösster Wunsch, diese Hölle zu überleben und sie wieder zu sehen.
Er sollte mehrere Jahre warten müssen, bis er in Erfüllung ging.
Mit grauer Heimkehrermütze strich er einsam und ausgemergelt
Durch die verwüsteten Strassen Münchens.
In einem Kaffeehaus machte er Rast und erblickte ihre wunderschönen Augen die sich unter einer Bäckermütze verbargen.Restlos glücklich umarmten sich die beiden Liebenden
Und heilten langsam ihre Narben, die der Krieg in ihrem Geiste hinterlassen hatte.
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Ungelesener Beitragvon Bunkersucher » 23.02.2009, 15:25

TOP!!! :shock: :shock: :shock:
Bunkersucher
 

Ungelesener Beitragvon kuebelfahrer » 23.02.2009, 16:16

Danke, ich werde weitere Geschichten schreiben, wenn Sie hier grossen Anklang finden.
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