Ein Schutzraum im 2. Weltkrieg, heute nur noch Relikt des „Kalten Krieges“

Hochbunker in Witten

Der im Jahre 1941 errichtete Hochbunker hat eine bewegte Vergangenheit.
In Witten wurden die monumentalen Bauten, die für das Stadtzentrum geplant waren und von der
Macht des NS-Staates künden sollten, nicht realisiert. Diese Betonungetüme erinnern an die meist
ausweglose Situation der Menschen, die, die sie in zwangsarbeit erbauen mussten, und der
Zivilbevölkerung, die eingepfercht Schutz vor Bombenangriffen suchte.
Während des zweiten Weltkrieges wurde eine Fülle von Schutzbaumaßnahmen für die Wittener
Zivilbevölkerung vorgenommen.
Die Mehrzahl hiervon waren Stollenbunker in den ausgegebenen bergbaulichen Betriebsbauten.
Es gab lediglich 3 Hochbunker in den dichtbesiedelten, innerstädtischen Wohngebieten, wovon der
Hochbunker in der Augustastraße der bedeutenste und am besten erhaltene ist.

Aus dem Jahr 1943 wird berichtet

– 65 Feuerlöschteiche sind fertig gestellt, 10 weitere in bau
– 2 Hochbunker, in der Augustastr. und der Eckardtstr.( von diesem ist nichts mehr erhalten)
sind für ca. 945 Personen fertiggestellt.
– Stollenbauten in Selbsthilfe für ca. 3.700 Personen
– Kellerausbau (Splitterschutz) für 30.000 Personen
Es gab aber auch Beschwerden über Fehlplanungen:
– zu viele Feuerlöschteiche, zu wenig Bunker
– 7 Großstollen für 7.500 Personen sind in Bau, 23 weitere Großstollen für 22.000 Personen sind
geplant…..

Nachnutzung in der Nachkriegszeit

Nach dem Krieg, ca. 1952, bis Mitte der 80´er Jahre wurde dieses Bauwerk vom alteingesessenen
Möbelhaus Gusovius als Möbellager genutzt. Die Firma belegte damals 2 der 4 Etagen des
Bauwerkes. Der Rest, inklusive des Kellers, war nicht zugänglich. Strom gab es dort leider nicht,
man musste sich mit irgendwelchen Handlampen behelfen um die Möbel ein- oder auszulagern.
Vor dem Bunker, im heutigen „wilden Blumenbeet“, versteckt sich noch ein Notausgang. Dieser ist
im Rahmen der Modernisierung, genau so, wie die Innenaufteilung, mittlerweile entfernt, bzw.
übererdet worden.
Durch diese Modernisierung wurde auch die Möbelfirma aus dem Bunker „entsorg“,
da die Bediensteten der Stadt dort im Notfall Schutz finden sollten.
Mitte der 80´er Jahren wurde der Bunker zum Atombunker umgebaut und soll, nach Aussage des
Denkmalpflegers, binnen 14 Tagen auszurüsten und betriebsbereit sein.
Natürlich lag er nicht nur unbenutzt am Straßenrand. Die Stadt hat ihn als Lagerraum für
Schulmobiliar oder ähnliches genutzt, auch Kunstausstellungen finden zeitweise noch im Inneren
statt.
Ansonsten ist er eigentlich nur noch im Rahmen der bundesweiten Veranstaltung „Tag des offenen
Denkmals“ für die Bevölkerung zugänglich, nachdem er im Jahre 2003 nach Beschluss des
Denkmalausschusses des Rates der Stadt Witten in die Denkmalliste der Stadt eingetragen wurde.

Zahlen und Fakten

– Grundmaße von 30 x 10 Meter, Auslegung war für 500 Personen;
– die Errichtung war im Jahre 1941, Architekt Hoppe, Stadtbauamt;
Die charakteristischen Merkmale sind:
– Eisenbetonbau mit 1,10 Meter dicken Außenmauern;
– 4 geschossig mit Keller;
– 2 Treppenhäuser, ein vorderer und ein hinterer Eingang
– ursprünglich als Walmdach mit Eisenbetonbindern geplant, jedoch als Flachdach mit schrägem
Dachüberstand ausgeführt;
– fensterloser Baukörper mit 3 quer über das Gebäude laufende Gesimsen, ferner Ziegelrelikt eines
davor gestellten dritten Treppenhauses;
– Feuerleiter auf das Dach, Stahltüren, Lüftungsöffnungen neben dem Eingang mit Stahlplatte
abgedeckt, konstruktives Stützensystem innen sichtbar.
– ursprüngliche Innenaufteilung durch Trennwände in Räume mit je 3 Liegeplätzen und
Waschräumen, ist nicht mehr vorhanden;
– die Bemalung ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Lohnt ein Besuch?

Ein klares „Ja“!
Sowohl für Neulinge dieses Hobbys als auch für Profis.
Wenn man sich in dem weitläufig und spärlich eingerichteten Hochbunker mal in Ruhe umsieht,
entdeckt man noch einige Relikte aus alten Tagen. Die Einbauten ähneln natürlich allen
Schutzräumen, die nachträglich zu atomsicheren Zufluchtsstätten für die Bevölkerung umgebaut
wurden, nur ist dieser sehr schön in das Stadtbild integriert. Er versteckt sich, langsam mit Efeu
zugerankt, mitten zwischen den Häusern und durch die Bemalung hat man ihm sein verräterisches
Betongrau genommen. Auf den ersten Blick erkennt man ihn nicht wirklich, es gibt viele Menschen,
die einfach daran vorbeigehen, ohne ihn wahrzunehmen.

Quellennachweis:
Auslagematerial am Tag des offenen Denkmals 2013
Berichte von Zeitzeugen
Stand:
03.2015