Da Dortmund als nationalsozialistisches Zentrum für Westfalen, mit Aufmarschplätzen, Arenen etc. ausgebaut werden sollte, ahnte man wohl die besondere Gefährdung für die Zivilbevölkerung und nahm relativ früh das Großprojekt „Großer Tiefstollen“ in Angriff. In anderen, dem Nationalsozialismus besonders wichtigen Städten, wie zum Beispiel Nürnberg, wurde eine solche umfassende Anlage anscheinend nicht ins Auge gefaßt. Die Frage, warum gerade Dortmund so einen Tiefstollen bekam, ist also ungeklärt, zumal die den Stadtkern umgürtelnde Industrie schnell eigene Luftschutzeinrichtungen hätten bereitstellen können, was sie auch vielfach später noch tat. Immer wieder aufkommenden Gerüchten zufolge wäre der Tiefstollen ursprünglich als U-Bahn begonnen worden, der dann später zum Luftschutz umgenutzt wurde.

Wir sind dem nachgegangen und haben einige Theorien überprüft

Einerseits sind die größeren Stollenquerschnitte schlicht zu groß für eine U-Bahn, andererseits wurden in den 30ern bis zum Baubeginn die oberirdisch laufenden Straßenbahnstrecken bereits drastisch zusammengestrichen. Die Omnibusse hatten den Bahnen durch ihre Flexibilität schlicht den Rang abgelaufen. Ein weiterer Hinweis darauf ist, das Teile der Anlage von der Stollenhöhe so dimensioniert waren, um darin eine zweite Etage zu errichten. Die Pläne dazu existieren noch heute. Bereits 1937/38 wurde mit dem Bau dieses größten, zivilen Luftschutzbunkers Deutschlands begonnen. Wahrscheinlicher ist aber, das es die größte zivile Luftschutzanlage Europas war oder ist. Bis ca. 1941/42 waren zwei zivile Tiefbaufirmen mit der Auffahrung der Stollenanlage beschäftigt, danach forcierte zusätzlich noch die Organisation Todt den Bau. Der Vortrieb für die Anlage begann im Westpark. Hier standen Baracken, die Gleisanlage, Haspelschacht, Kiesrutsche etc. Eine weitere Kiesrutsche wurde dann im Bereich des Körnerplatzes (Heute der Bereich „Hoher Wall/Westentor“) angelegt. Laut Zeitzeugenberichten merkte man oberirdisch nichts vom Stollenbau, welcher je nach Örtlichkeit 12-17m bombensicher unter der Oberfläche vor sich ging. Der Aushub wurde wahrscheinlich per Bahn vom Westpark aus, direkt zur Zeche Tremonia abtransportiert. Wir stehen heute vor dem Problem, daß Teile der Anlage vom hin und wieder (illegal) begehbaren bekannten Teil abgetrennt wurden und wir nicht wissen, wo es noch hineingeht. Während die BIMA und die Stadt Dortmund jahrzehntelang einen Mantel des Schweigens um den Tiefstollen legte, war es im Zeitalter des Internet nicht mehr möglich, diesen Stollen zu verschweigen. Offenbar wurde eine kleine Informationsinitiative gestartet, um Zeitungen und diverse Ausstellungen über den jetzt bekannten Teil des Stollens zu informieren- und gleichzeitig alles zum eventuellen restlichen Teil rigoros auszufiltern, auch mit Hilfe der Medien. Heute begehbar sind davon noch ca. 4-4,5km Stollen, in unterschiedlichster Ausbaustufe.

Wir werden in den kommenden Wochen noch kleinere, weiterführende Berichte zu diesem Thema vorstellen. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei LostAreas.de, für die zur Verfügung gestellten Bilder.

 

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Das Team von Bunker-NRW

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