Das synonym Bunker


Mit dem Begriff Bunker verbinden die meisten Menschen Schutzräume, die unsere Bevölkerung vor kriegerischen Handlungen oder Ereignissen schützen sollten oder immer noch sollen. Dieses Wort hat aber eine weitaus größere Bedeutung in unserer Sprache, als viele Leute denken.

Alleine diesen Begriff ,in technischer Sicht gesehen, hat viele Facetten

Der Bergmann bezeichnet ihn als einen, von Menschenhand geschaffenen Hohlraum, zur Lagerung bergmännischer Schuttgüter. Der Seemann lagert in einem Bunker seinen Treibstoff und die von ihm benötigten Materialien für die Seereise. In der Landwirtschaft, wo wir ihn auch als Silo kennen, ist er zur Lagerung von Schutt und Massengütern vertreten. Sogar ein Fisch trägt diesen Name, der aus der Heringsfamilie stammende Atlantische Menhaden. Im englischsprachigem Raum finden wir ihn sogar als durchaus geläufigen Familiennamen.

Der Bunker als Schutzraum

Wir wollen auf diesen Seiten den Bunker von seiner Art als Luftschutzeinrichtung näher erklären.

Zivile Luftschutzbunker

Typen von zivilen Luftschutzbauten

  1. Hochbunker

  2. Tiefbunker

  3. Stollenanlagen

  4. Kombinationen von 1-3 und Sonderformen

  5. Kombinationen von Zivilbunker und Luftverteidigung (Flakturm)

  6. Deckungsgräben + Varianten

  7. Schutzräume

Anforderungen an Luftschutzbunker

  1. Schutz vor einstürzenden Gebäude

  2. Schutz vor Sprengsplittern und Splittern eigener Flakgeschosse

  3. Schutz vor Bomben und Raketen

  4. Schutz vor Bränden, Gasen, bakteriologischen und chemischen Substanzen

Nicht jeder Bunker erfüllt alle diese Anforderungen.

Die Wahl des Bunkertyps für ein bestimmtes Areal hängt von verschiedenen Faktoren ab

  1. Topographie des Areals

  2. Bodenbegebenheiten

  3. Zur Verfügung stehender Platz

Die meisten der WKII Bunker entstanden ab Okt. 1940 im größten Bauprojekt der Geschichte aufgrund des „Führer- Sofortprogramms“. Für den Bau war die Organisation Todt, benannt nach ihrem Leiter, Fritz Todt, zuständig. Innerhalb des Berliner Ringes zeichnete jedoch Albert Speer verantwortlich. Dieser übernahm nach dem Unfalltod F. Todts 1942 die komplette Projektleitung. Die Bunkerbauten richteten sich nach Kriterien und Prioritäten. Die Menschen in den Ruhrstädten waren zB deutlich gefährdeter als die Bewohner kleinerer Dörfer ohne kriegswichtige Industrie, ein Schulgebäude deutlich sensibler als ein einzeln liegender Hof. So erklärt es sich, daß für jeden Einwohner Rheinhausens und Emdens ein Bunkerplatz vorhanden war, in Essen für jeden 2. Einwohner, Dresden dagegen hatte keine BOS-LSR… Die Wandstärke von Bunkern der Bunkerbauwelle 1 betrug für Hochbunker 1,10m, für Tiefbunker 1,80m.Die Abschlußdeckendicke betrug 1,40m. Es wurde viel Moniereisen verbaut. Bei den Hochbunkern der 2. Bauwelle stieg die Dicke der Seitenwände auf 2m, die Abschlußdeckendicke betrug 2,50m.Viele Bunker der 2. Welle besaßen auch einen massiven, ca 5m breiten und 2m dicken „Untertauchschutz“ um die Bodenplatte herum. Moniereisen wurde in geringerem Umfang als in den Bauten der 1. Welle eingesetzt, dafür war der Stampfbeton sehr hart.

Die Anzahl der Luftschutzbunker der 1. Welle betrug ca 840 Stück!

Anfang 1942 waren fast 2000 Luftschutzbunker nutzbar, über 1250 noch im Bau.

Bis 1945 wurden insgesamt über 10.000 Luftschutzbunker gebaut, alle Kategorien, soweit bombensicher, zusammengenommen. Die größte Anlage ist der Dortmunder Tiefstollen, der Platz für bis zu 150.000 Schutzsuchende bot.In Essen-Holsterhausen zB wurde eine obere Zechensohle ausgebaut, für 80.000 Personen. Aus Platzmangel baute man Anfangs in den Innenstädten häufig Tiefbunker in offener Bauweise unter offene Plätze, Marktplätze, kleine Parks oder Bahnhofvorplätze.Tiefbunker brauchten mehr Baumaterial pro Schutzsuchenden als Hochbunker, daher wurden, sobald es freie Areale in der Innenstadt gab, diese für Hochbunker benutzt. Eine Sonderform des Hochbunkers ist der Winkelturm, Baureihe 1+2 und der Zombeckturm. In Aufbau und Schutzwirkung sind diese sehr ähnlich. Die Sitzbänke drehen sich spiralförmig um den Kern mit den Aborten, die Luftreinigung befindet sich ganz oben unter der Dachspitze. Aufgrund der Form fanden die fallenden Bomben keinen richtigen „Angriffspunkt“, die „Spitzhüte“ waren sehr sicher, aber unrentabel. Viel Baumaterial mußte für wenige hundert Schutzsuchende aufgewendet werden. Auf engen Betriebshöfen dagegen war die geringe benötigte Grundfläche ein großer Pluspunkt. Einige Hochbunker verfügten über sog. „Zerschelletagen“. Diese lag über der dicken Abschlußdecke und besaß auch Fensterreihen für Beobachter. Darüber befand sich eine weitere Abschlußdecke von ca 1m Dicke. Ein direkter Treffer konnte die obere Abschlußdecke durchschlagen und „verpuffte“ dann quasi in der Fensteretage. Ein Beispiel dieser Bauweise steht im Autobahnkreuz Kaiserberg und war für die Ansiedlung Werthacker gebaut worden. Da die Hochbunker sich dem Stadtbild anpassen sollten, erhielten viele von ihnen normale Giebeldächer mit Dachpfannen, manche wurden sogar noch bis 1945 verklinkert.

Aufbau und Einrichtung eines Bunkers

Ein bomben- und gasdichter Luftschutzbunker besitzt außer einer starken Armierung natürlich auch stabile und gasdichte Außentüren mit einem speziellen Riegelsystem. Letzteres soll gewährleisten, daß die Türe sich auch nach großer Druckeinwirkung öffnen läßt. Dahinter kommt eine Gasschleuse. Es können durchaus mehrere Eingänge und Gasschleusen vorhanden sein. Der Bunker muß so gebaut sein, daß die Schutzsuchenden mit möglichst wenig Hindernissen im Weg hineinlaufen können, sodaß der Bunker von der letzten Ecke her gefüllt wird. Gleichzeitig sind große offene Räume zu vermeiden, damit eine Panik nicht in einer „Stampede“ endet und Opfer fordert. Bunker haben eine Stromversorgung, oft auch mit Notstromaggregat, auch eine Wasserversorgung über einen eigenen Brunnen ist nicht selten. Hoch- und Tiefbunker besitzen Wasser-WC, Duschen und Waschräume (In Stollensystemen oftmals nur Trockentoiletteneimer). Auch Heizungen, zumindest Öfen, waren meist vorhanden. Ebenso Küchen und Tee/Kaffeestuben. Die größeren Bunker besaßen kleine Sanitätsstationen, Räume mit Etagenbetten und einfachstem Mobiliar. In den Gängen standen Bänke. Im Luftalarm werden die normalen Lüftungsöffnungen der Bunker geschlossen, die Luft wird außen angesaugt, durch Aktivkohle- und Sandfilter gesogen und in die Gänge und Räume gedrückt. Es wird dabei ein Überdruck gefahren, der das Eindringen von Gasen von außen verhindert. Nach dem Einmarsch der Alliierten mußte mit der Entfestigung der Bunker begonnen werden. Die Behörden bremsten den Sprengdrang der Alliierten, man brauchte dringend Wohnraum. Spezialisten sprengten dann Fensteröffnungen in viele Hochbunker, sodaß heute zB in Rheinhausen kein nicht entfestigter Hochbunker mehr existiert.

Der beginnende kalte Krieg stoppte die Entfestigungen

Die Bunker konnten noch nützlich sein.Für die Jahre nach 45 wurden viele Hoch- und Tiefbunker von Flüchtlingen und Ausgebombten bewohnt.Später wurden in einigen Bunkern Obdachlosenunterkünfte eingerichtet. Bis in die 70er herrschte in manchen aufstrebenden Städten Hotelmangel, so daß tatsächlich der ein oder andere Bunker zum Hotel wurde. So zB der sog. „Hotelbunker“ neben der B1 in der nordöstlichen Ecke des Parkplatzes der Westfalenhalle. Viele Hochbunker beherbergen Proberäume für Bands. Dies ist quasi die klassische Nachnutzung. So wird zur Zeit ein interessanter Hochbunker in Waltrop dafür hergerichtet. Eine andere Verwendung ist die als Lagerraum. Die Hochbunker verfügen über Räume verschiedener Größe und die Belüftung läßt sich über die Lüftungsöffnungen gut regulieren, wenn richtig gehändelt. So wird zB der Hochbunker Rittershausstraße (Westpark) als Lager genutzt. Leider fallen aber immer wieder Bunker dem Abriß oder (bei Tiefbunkern oder Stollen) dem Verfüllungstod anheim. Einige Luftschutzeinrichtungen überstanden die letzten Jahrzehnte nur, weil sie in die Katastrophenschutzprogramme eingebunden waren und als Leitstellen, Sanbunker, Lager etc. für THW oder Katastrophenschutz dienten. Leider wird eine sinnvolle Nachnutzung heutzutage durch die behördlichen Auflagen sehr erschwert.

Oft kommt ein Umbau zu teuer

Viele Hochbunker haben zB nur eine durchgehende Treppe bis oben. Für einen zweiten, vorgeschriebenen Notweg von oben nach außen zB muß man zwangsweise die dicke Außenmauer durchbrechen… Zusätzlich wurden während des kalten Krieges weitere Bunkeranlagen errichtet. Diese fallen häufig nur dem interessierten Bunkerfreund auf und sie sind zB in Schulen, Parkhäusern und öffentlichen Gebäuden integriert. Auch die Bahn unterhielt an den größeren Bahnhöfen Befehlsstellenbunker und Schutzbunker, ebenso auch manche Betriebshöfe der Autobahnen. Viele dieser Bunker wurden ab Anfang der 90er aus dem Schutzprogramm genommen. Seitdem werden sie nicht mehr gewartet und geschützt (Neben dem Parkhausbunker in Unna gegenüber dem Bhf durfte zB gebaut werden, direkt neben den Lüftungstürmen. Im Ernstfall könnten die Trümmer die Lüftung beeinträchtigen. Bei vielen dieser Einrichtungen ist eine erneute Aktivierung aber durchaus kostengünstig möglich. Die Schutzwirkung der Luftschutzeinrichtungen ist vermutlich nicht mehr ganz zeitgemäß, aber das hängt natürlich vom Bedrohungsszenario ab.

Das Team von Bunker-NRW

MB / LH