Die U-Verlagerung für die ganze Familie

Dieser Beitrag richtet sich hauptsächlich an neue Mitglieder und Foristen, die auch gerne mal mit der
Familie unterwegs sind.

Die U-Verlagerung Buchfink, bekannt auch als Silscheder Tunnel, befindet sich im gleichnamigen
Ortsteil von Gevelsberg. Dieser Tunnel ist frei zugänglich und kann zur Zeit noch ganzjährig begangen
werden. Das bedeutet aber nicht, das keine Gefahren von ihm ausgehen! Dessen sollte man sich
bewusst sein. Besonders schön präsentiert er sich im Sommer, wenn die Natur sich von ihrer schönsten
Seite zeigt. Der Weg, vom Südportal in Richtung Norden, stellt nicht besonders viele Ansprüche an
seine Besucher. Man sollte aber ein Augenmerk auf festes Schuhwerk und ausreichend Beleuchtung
haben. Der durchgehend mit Sandsteinen ausgemauerte Tunnel erscheint im Licht von Taschenlampen
gigantisch und durch den Knick, kurz vor dem Nordportal, endlos.
Vorbei an versinterten Nischen und den teilweise noch vorhandenen Richtungspfeilen von
Streckentelefonen gelangt man langsam und sicher immer weiter in den Tunnel.
Das leise Plätschern der noch funktionierenden Entwässerung und das knirschen des alten Kieses unter
den Füßen halt leise durch den Tunnel. Aber Vorsicht! Hier und da tun sich im Boden unterschiedliche
Öffnungen und Löcher auf. Wenn der Knick im Tunnel erreicht ist, steht man für kurze Zeit in völliger
Dunkelheit. Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl, dort kurz inne zu gehen und die Stille zu genießen.
Weiter geht es Richtung Nordportal. Langsam fällt wieder Licht in den Tunnel, der auf dieser Seite in
einer neuen Welt endet, wie ich es beim ersten Besuch empfand.
Durch das lange laufen, man braucht gut 15 Minuten bei normaler Gangart, im nur durch
Taschenlampen erhellten „Dunkeln“ lässt die Augen das satte Grün noch Kräftiger erscheinen.
Aber auch die Vielfalt der Natur auf dieser Seite des Tunnels ist wahnsinnig schön, Gesäumt von
Mosen und Fanen, von mit großen Pilzen bewachsenen Bäumen geht der Weg noch ein Stück weiter.
Auf der rechten Seite ist eine riesige Wassertreppe, die sich gut 30 Meter den steilen Hang hoch streckt.
An unseren Füßen endet sie an der hier oberirdisch verlaufenden Tunnelentwässerung.
Ein Stückchen weiter, unter üppigem Grün versteckt, ein vermutlich alter Wasserspeicher für die
damals dort fahrenden Dampfrösser. Hier endet auch unser Besuch des Buchfinks, in Richtung Norden.
Wir genießen noch einen Augenblick die Ruhe und machen uns wieder auf den Weg, zurück in die
Zivilisation. Durch die riesigen Abmaße des Tunnels findet man auch auf dem Rückweg immer wieder
etwas neues. Das ändert sich aber auch nicht, selbst wenn man dor schon viele Male war. Am Knick
vorbei, langsam auf das Südportal zu, sieht man das „Licht am Ende des Tunnels“. Je näher wir dem
Portal kommen, desto wärmer wird es wieder. Die kühleren Temperaturen, die sich selbst in der
Schlucht am Nordportal noch hielten gehen langsam in wärmere über. Langsam wird das Licht stärker,
bis wir direkt im Portal stehen und noch einmal den Blick zurückschweifen lassen. Schade, es hätte
noch viel länger so weiter gehen können.
So machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Auto. Vorbei am alten Bahnhofsgebäude, immer
noch begleitet vom Plätschern der Entwässerung dieses gigantischen Tunnels.
Aber wir werden wiederkommen, sicher sehr oft. Die Kinder waren von diesem Ausflug überwältigt
und wenn es heute noch heist, „Wir wollen zum Tunnel“, sind sie schnell dabei.
Aber dieser Tunnel ist auch zum Fotografieren sehr empfehlenswert. Anfänger in der Langzeitfotografie
können sich hier stundenlang, ungestört austoben und ihre Fähigkeiten verbessern. Mit einem guten
Freund bin ich selber auch immer wieder dort. Wir probieren Veränderungen an unserer Ausrüstung,
gerade was Beleuchtung betrifft dort aus. Auch bei vielen Geocachern scheint der Tunnel sehr beliebt
zu sein. Das eine oder andere mal haben wir auf unseren Touren schon ihre „Döschen“ gefunden. Jeder,
der sie dort findet, sollte sie genauso dort belassen. Es ist ein Hobby, genau wie das unsere und sollte
respektiert werden. Leider ist es in letzter immer schmuddeliger geworden, das sollte aber nun wirklich
nicht so sein! Jeder der diesem, unserigem Hobby nachgeht, sollte außer seinen Schuhabdrücken dort
nichts hinterlassen. Es sollte jeder, der sich für die Schönheit des Bauwerks interessiert, einen
unvergesslichen Eindruck für sich mit nach Hause nehmen dürfen.

An dieser Stelle möchte ich diejenigen, die sich auch für Geschichtliches und die Umgebung dieses
Ortes interessieren, noch weiter mitnehmen. Da man die U-Verlagerung als solche heute nicht mehr
erkennen kann, kann diese nur noch durch Fakten und das eine oder andere Bild belegt werden.

Geschichtliches und die Umgebung

Der Tunnel ist Teil der Bahnstrecke von Witten nach Schwelm, die zwischen 1911 und 1934 gebaut
wurde. Erbaut wurde er …. und ist einer von drei U-Verlagerungen auf dieser Strecke.
Dieser 845 Meter lange Tunnel wurde im 2. Weltkrieg, von der Firma Hansen & Co. aus Münster, zur
Wartung und Reparatur von Flugzeugen des TypsMesserschmitt Bf 109 auf 8700m2 genutzt.
Um anfliegende feindliche Flugzeuge zu täuschen wurden die Portale des Tunnels getarn. Von diesem
Umbau sind heute leider nur sehr wenige Reste zu erahnen. Zu Kriegszeiten arbeiteten in den UVerlagerungen
rund 1200 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, davon allein 600 russische.

Eines der getarnten Portale, es sollte wie ein Scheunentor aussehen.

Dieses Bild entstand 1945, nach Einmarsch amerikanischer Truppen (Q1)

Dieses Bild entstand 1945, nach Einmarsch amerikanischer Truppen (Q1)

Die Baracken für die Arbeitskräfte befanden sich etwas weiter südlich des Tunnels und auf dem selben
Gelände bot auch ein separates Gebäude den Technikern und Ingenieur des Reiches
Unterkunft. Von den 12 großen Baracken der Zwangsarbeiter ist leider nichts mehr zu sehen, die
Unterkunft der Ingenieure steht noch heute. Sie befinden sich auf privatem Gelände, leider in einem
schlechtem Zustand. Eine Grabstätte für getötete Russische Zwangsarbeiter kann man
sich, wenn das Interesse dafür besteht, noch ansehen.Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner wurden
14 russische Zwangsarbeiter erschossen, weil die hungernden einen Reichswehrzug auf der
Bahnstrecke gestoppt hatten. Die Russen hatten auf Essbares gehofft – die Begleitmannschaft eröffnete
aber das Feuer, um die Weiterfahrt zu erzwingen.“
10 der 14 erschossenen wurden in der Grabstätte beigesetzt, die anderen 4 wurden auf dem Silscheder
Friedhof begraben. Scheinbar wird diese Grab / Gedänkstätte noch in Ordnung gehalten.

Nutzung nach den 2. Weltkrieg

Der reguläre Eisenbahnbetrieb wurde 1945 direkt nach Kriegsende wieder aufgenommen, wobei aber
das Verkehrsaufkommen mit den Jahren immer mehr abnahm. Als Folge dieses Rüchganges wurde im
Jahre 1979 der Personenverkehr komplett eingestell und die Strecke im Januar 1980 für den
Gesamtverkehr gesperrt. Letztlich wurde die Strecke am 1. Januar 1983 stillgelegt.

Südportal

Südportal (Q2)

Es ist geplant, auf dem stillgelegten Teil der Strecke einen Radweg anzulegen.Die Strecke führt durch
ein landschaftlich reizvolles Gebiet mit je zwei Viadukten und Tunneln, von denen der 845 m lange
Silscheder Tunnel eine außergewöhnliche Länge haben wird. Wegen dieser Bauten ist allerdings die
Finanzierung des Projektes noch nicht geklärt, da beispielsweise die Beleuchtung der Tunnel erhebliche
Kosten verursachen würde. Ein Teil der Strecke ist das noch auszubauende Teilstück des Von-Ruhr-zur-
Ruhr-Radweges.(Q3)

Heute ist er ein Ort, den unterschiedlich interessierte Menschen gerne aufsuchen. Viele wissen nicht,
wo sie sich gerade bewegen und was dieser Tunnel für eine Vergangenheit besitzt. Es sind leider viele
Relikte dieser Strecke verschwunden, rückgebaut oder umgenutzt worden. Aber genau das macht diesen
Ort aus, seine Vergangenheit!
Das weitergeben diese Artikels ist erwünscht, lediglich die Nennung aller Quellen ist Pflicht dabei

Quellennachweis:
Recherche im Bunker-NRW Forum
Zeitzeugen- und Anwohnergespräche
Q1 Heimatbuch Silschede
Q2 Bunker-NRW.de (Bild aus Forum)
Q3 www.wikipedia.org